Offene Regale im Wohnzimmer: Planung, Stauraum und Styling im Alltagstest
Warum offene Regale im Wohnzimmer eine gute Idee sind
Offene Regale im Wohnzimmer sind mehr als nur Dekofläche. Richtig geplant ersetzen sie Sideboard oder Vitrine, schaffen Stauraum für Bücher, Medien und Alltagsdinge und wirken dabei leichter als geschlossene Schrankwände.
Gerade in typischen deutschen Wohnzimmern mit 18 bis 30 Quadratmetern helfen Regale, die Wandhöhe besser auszunutzen, ohne den Raum zu erdrücken. Entscheidend ist, dass du vorab klärst, was wirklich untergebracht werden soll und wie „ordentlich“ du im Alltag bist.
Bevor du startest, lohnt sich ein kurzer Realitätscheck: Nutzt du dein Wohnzimmer eher ruhig (Lesen, Entspannen) oder ist es ein Familien- und Multifunktionsraum mit Kindern, Haustieren, Home-Office-Ecke und viel Bewegung?
- Ja: Du verträgst sichtbare Gegenstände, solange sie geordnet sind. Nein: Dich stört schon ein leicht unruhiges Bild.
- Ja: Du bist bereit, alle 1-2 Monate aufzuräumen und auszusortieren. Nein: Regale verstauben bei dir schnell.
- Ja: Du hast Dinge, die sichtbar schön sind (Bücher, Keramik, Pflanzen). Nein: Hauptsächlich Kabel, Ordner, Kleinkram.
- Ja: Du kannst mit Kisten/Körben arbeiten, um Kleinkram zu sammeln. Nein: Du willst alles immer sofort griffbereit sehen.
- Ja: Du bist bereit, ein paar Euro in passende Boxen und Ordner zu investieren. Nein: Es soll ohne Zusatzkauf funktionieren.
- Ja: Wandbohrungen sind in deiner Wohnung erlaubt. Nein: Du darfst nur freistehende Möbel nutzen.

Planung: Funktion zuerst, Optik danach
Bevor du ein Regal kaufst oder baust, analysiere den Bedarf. Sonst hast du später zwar schöne Fächer, aber falsche Maße und zu wenig tragfähige Böden.
1. Bestandsaufnahme: Was soll ins Regal?
Nimm dir 15 bis 30 Minuten und geh systematisch vor:
- Bücher: Wie viele laufende Meter? Faustregel: 1 Meter Bücher braucht etwa 80 bis 100 cm Regalbreite bei 25 bis 30 cm Höhe pro Fach.
- Medien: Platten, CDs, DVDs benötigen weniger Tiefe (18 bis 25 cm), aber eher niedrige Fächer.
- Deko: Vasen, Bilderrahmen, Kerzen - wie viel davon willst du wirklich zeigen?
- Alltagsdinge: Spiele, Technik, Kabel, Papiere - ideal in Boxen, nicht offen sichtbar.
- Große Teile: Körbe, Aufbewahrungsboxen, Drucker, Lautsprecher - prüfe Maße inkl. Kabel/Griffe.
Mach eine grobe Liste mit Breiten und Höhen. Ein Zollstock neben einem Haufen Bücher wirkt Wunder und verhindert Fehlkäufe.
2. Maße und Proportionen zur Wand
Für ein Wohnzimmer mit 2,40 bis 2,60 m Deckenhöhe haben sich folgende Richtwerte bewährt:
- Regalhöhe: 180 bis 220 cm für „luftig“, deckenhoch bei extrem wenig Stauraum.
- Regalbreite: 60 bis 240 cm, je nach Wandbreite. An langen Wänden lieber 2 bis 3 Regale gliedern als eine endlose Wand.
- Regaltiefe:
- 25 bis 30 cm für Bücher und gemischten Stauraum
- 20 bis 25 cm für reine Deko oder Medien
- 30 bis 35 cm, wenn auch Ordner oder große Boxen untergebracht werden sollen
Achte darauf, dass das Regal nicht direkt an Wandkanten „klebt“: 5 bis 10 cm Abstand zu Türrahmen oder Fensterlaibungen lassen die Wand ruhiger wirken.
3. Tragkraft und Sicherheit
Offene Regale sehen leicht aus, tragen aber oft viel Gewicht. Typische Problemstelle: durchhängende Böden.
- Holzstärke: Für 80 bis 100 cm Regalbreite sind 18 bis 22 mm starke Böden sinnvoll, wenn du Bücher stellst.
- Maximale Fachbreite: 80 cm bei schweren Büchern, bis 100 cm bei leichter Deko.
- Wandbefestigung: Freistehende Regale immer oben an der Wand sichern, besonders mit Kindern oder Katzen im Haushalt.
- Dübelwahl: Prüfe Wandart (Beton, Ziegel, Rigips) und verwende passende Dübel; bei Trockenbau ggf. Hohlraumdübel.
Materialien und Systeme: Fertigregal, String-System oder DIY?
In Deutschland findest du drei Hauptvarianten: klassische Standregale, Wandschienen-Systeme und Designsysteme (zum Beispiel String-ähnlich) sowie komplett individuelle Lösungen vom Schreiner.
Standregale: Schnell und budgetfreundlich
Geeignet für Mietwohnungen, wenn du flexibel bleiben willst.
- Vorteile: Günstig, schnell aufgebaut, leicht umzustellen, gut auf dem Gebrauchtmarkt erhältlich.
- Nachteile: Wirken schneller wuchtig, benötigen Kippsicherung, oft begrenzte Breiten/Tiefen.
- Praxis-Tipp: Zwei oder drei gleiche Regale nebeneinander stellen, statt unterschiedliche Modelle zu mischen. Das wirkt ruhiger.
Wandschienen- und Konsolensysteme
Hier werden Schienen an die Wand geschraubt, Regalböden liegen auf Trägern auf.
- Vorteile: Höhen flexibel verstellbar, luftige Optik, gut an verschiedene Wandbreiten anpassbar.
- Nachteile: Benötigt relativ viele Bohrlöcher, Last hängt komplett an der Wand, unruhige Optik bei vielen Fächern ohne Planung.
- Praxis-Tipp: Schienen in Wandfarbe streichen, Holz in einheitlichem Ton wählen, um Ruhe reinzubringen.
Designsysteme und Schreinerlösungen
Ideal, wenn dein Wohnzimmer schwierige Grundrisse hat (Dachschrägen, Nischen, Altbau mit Heizkörpern).
- Vorteile: Perfekte Ausnutzung, hochwertige Materialwahl, integrierte Kabelführung und teilweise Türen/Schubfächer kombinierbar.
- Nachteile: Deutlich teurer, weniger flexibel beim Umzug.
- Praxis-Tipp: Wenn Budget knapp ist, nur einen Teil der Wand maßanfertigen lassen (z. B. TV-Bereich) und rechts/links mit Standardregalen ergänzen.
Ordnung im offenen Regal: Zonen, Farben, Wiederholungen
Damit dein Regal nicht chaotisch wirkt, brauchst du eine klare Struktur. Denk an vier Zonen: Basis, Stauraum, Blickfang, Luft.

1. Die Basis: Unterer Bereich für Gewicht
Die unteren Fächer sollten optisch und tatsächlich das „Gewicht“ tragen.
- Schwere Bücher unten einsortieren, nicht auf Augenhöhe.
- Geschlossene Boxen und Körbe im unteren Drittel, damit Kleinkram verschwindet.
- Große Objekte (Körbe, Boxen mit Decken, Spiele) unten, so bleibt das Regal oben leichter.
In Familien-Wohnzimmern bewährt sich die Regel: Alles, was Kinder selbst nehmen dürfen, maximal bis Hüfthöhe der Erwachsenen.
2. Stauraum ordentlich bündeln
Kleinteile sollten nicht lose im Regal stehen.
- Nutze einheitliche Boxen oder Körbe in 2 Farben, maximal 3; gemischte Farben wirken schnell unruhig.
- Beschrifte Boxen dezent auf der Rückseite oder mit kleinen Etiketten: „Spiele“, „Kabel“, „Kerzen“, „Dokumente“.
- Ordner, Hängeregister oder Akten in einem Block gruppieren und nach Möglichkeit im unteren Bereich halten.
Praktischer Richtwert: Pro laufendem Meter Regal 1 bis 3 Boxen einplanen, je nach Familiengröße und Hobbyumfang.
3. Blickfang-Zonen bewusst setzen
Etwa auf Augenhöhe (1,40 bis 1,70 m) platzierst du Dinge, die du gerne anschaust:
- Schöne Bücher mit Rücken in ähnlichen Farben (z. B. helle Töne gruppieren).
- Einige Vasen, Skulpturen oder Kerzenständer - nicht zu viele!
- Bilderrahmen in ähnlichen Formaten oder Farben.
Wichtig: Arbeite mit Wiederholungen. Taucht ein bestimmtes Holz, eine Glasfarbe oder ein Metall (z. B. Messing) mehrfach, aber dosiert auf, wirkt das Regal bewusst gestaltet.
4. Luft lassen: Leere Fächer sind erlaubt
Einer der häufigsten Fehler: Jedes Fach wird bis zum Anschlag vollgestellt. Plane bewusst leere oder halb leere Fächer ein.
- 1 bis 2 fast leere Fächer pro Regalmeter schaffen Ruhe.
- Leere Flächen vor allem im oberen Drittel einplanen, das macht den Gesamteindruck leichter.
- Lieber später nachfüllen, falls doch noch Dinge dazukommen.
Styling nach Wohnstil: Skandi, modern, klassisch
Offene Regale können jeden Einrichtungsstil unterstützen, wenn Farben, Materialien und Formen zusammenpassen. Hier ein paar konkrete Leitplanken.
Skandinavischer Stil: Hell, leicht, natürlich
- Material: Weiß lackierte Regale oder helles Holz (Birke, Eiche hell) mit klaren Linien.
- Farben: Bücher nach eher neutralen Tönen gruppieren, viele helle Rücken, vereinzelt gedeckte Farben (Blau, Grün, Grau).
- Deko: Keramik in Naturtönen, wenige Glasobjekte, einfache Bilderrahmen in Weiß oder Holz.
- Textur: 1 bis 2 Körbe aus Seegras, Filzboxen in Grau oder Beige.
Moderner, reduzierter Stil
- Material: Schwarz oder anthrazit lackierte Metallregale, Regalböden in Holz oder ebenfalls dunkel.
- Farben: Bücher möglichst nach Helligkeit sortieren, bunte Umschläge im unteren Bereich oder in Boxen verschwinden lassen.
- Deko: wenige, aber größere Objekte: 1 große Vase statt 5 kleiner, 1 Skulptur pro Regalmeter.
- Technik integrieren: Lautsprecher, Router oder Streaminggeräte in die Komposition integrieren, aber Kabelführung sauber planen.
Klassisch-gemütlicher Stil
- Material: Mittel- bis dunkles Holz, gerne mit leichten Profilen oder Rahmen.
- Farben: Bücher bunt gemischt erlaubt, aber nicht kreuz und quer; nach Höhe und Buchart sortieren (Romane, Sachbücher, Bildbände).
- Deko: Familienfotos, Reiseerinnerungen, klassische Vasen, Kerzenhalter aus Messing.
- Textur: Geflochtene Körbe, Stoffboxen mit dezenten Mustern.
Praktische Probleme lösen: Staub, Kabel, Fernsehen
Im Alltag geht es nicht nur um Optik. Drei Themen sind fast immer relevant: Staub, Technik und Licht.
Staub im Griff behalten
- Höhere Staubbelastung hast du in Großstadtlagen und an stark befahrenen Straßen. Hier lieber weniger offene Fächer einplanen.
- Reinigungsrhythmus: Alle 4 bis 8 Wochen Regalböden mit leicht feuchtem Tuch abwischen, von oben nach unten.
- Staubfänger vermeiden: Filigrane Objekte mit vielen Ecken gegen glattere Deko austauschen.
- Obere Fächer: Dinge lagern, die du selten brauchst (Saison-Deko, Bücher, die du nicht ständig nutzt).
Kabel und Technik sauber integrieren
Vor allem, wenn das Regal den Fernseher oder Lautsprecher einrahmt, brauchst du einen Kabelplan.
- Kabelführung: Vor dem Aufbau überlegen, wo Steckdosen sind. Ggf. Kabelkanäle in Wandfarbe nutzen.
- Geräteposition: Receiver, Konsole, Router möglichst geschlossen in Boxen mit Luftschlitzen verstecken oder in Fächern mit Rückwand-Öffnungen platzieren.
- Mehrfachsteckdosen in Kabelboxen legen, um Kabelsalat zu verdecken.
Beleuchtung fürs Regal
Licht macht ein Regal wohnlich und hilft, Zonen zu betonen.
- Indirekte Beleuchtung: LED-Stripes oben am Regal nach hinten zur Wand gerichtet für weiches Licht.
- Punktuelles Licht: Kleine Spots oder Magnet-Leuchten für einzelne Fächer mit Deko oder Bildern.
- Praktisch: Akkubetriebene Regallichter nutzen, wenn keine Steckdosen in der Nähe sind.
Typische Grundrisse: Beispiele für 18, 24 und 30 Quadratmeter
Wohnzimmer ca. 18 Quadratmeter
Oft in Reihenhäusern oder 3-Zimmer-Wohnungen zu finden.
- Lösung: Ein schmales, 2 m hohes Regal (Breite 80 bis 120 cm) an der kürzeren Wand, gegenüber Sofa.
- Tiefe: Maximal 25 cm, damit der Raum nicht eingeengt wirkt.
- Fokus: Oben viel Luft, unten 2 Reihen Boxen für Alltagskram.
Wohnzimmer ca. 24 Quadratmeter
Typisch in vielen Neubauwohnungen.
- Lösung: Kombination aus TV-Board (geschlossener Stauraum) und offenem Regal darüber oder daneben.
- Breite: 160 bis 240 cm, Regale über dem TV eher leicht halten (wenig Bücher, mehr Deko).
- Kombination: Unten geschlossene Fronten, oben offene Fächer - gute Balance von Ordnung und Leichtigkeit.
Wohnzimmer ca. 30 Quadratmeter
Hier kannst du mit einer „Bibliothekswand“ arbeiten, musst aber Struktur reinbringen.
- Regalbreite: Ganze Wand nutzbar, aber durch senkrechte Unterteilungen oder Farbfelder gliedern.
- Mix: 70 Prozent offen, 30 Prozent mit Türen oder Schubladen, um Unruhe zu vermeiden.
- Zusatz: Eventuell integrierte Sitznische oder Home-Office-Fach einplanen.
Podsumowanie
- Kläre zuerst, was wirklich im offenen Regal landen soll, und plane Fachmaße danach.
- Halte Tragkraft und Sicherheit im Blick: Wandbefestigung ist Pflicht, vor allem bei Kindern und Haustieren.
- Arbeite mit Zonen: Schwere Dinge unten, Blickfang auf Augenhöhe, oben mehr Luft.
- Nutze einheitliche Boxen und Körbe, um Kleinkram unsichtbar zu verstauen.
- Richte das Styling am Wohnstil aus und wiederhole Materialien und Farben bewusst.
- Berücksichtige Staub, Kabel und Licht schon bei der Planung, nicht erst beim Einräumen.
- Plane lieber ein paar leere Fächer ein, damit das Regal mit deinem Alltag mitwachsen kann.
FAQ
Wie tief sollte ein offenes Regal im Wohnzimmer maximal sein?
Für ein durchschnittliches Wohnzimmer reichen 25 bis 30 cm Tiefe völlig aus. Nur wenn du Aktenordner, große Boxen oder sehr tiefe Bildbände unterbringen willst, sind 30 bis 35 cm sinnvoll. Tiefer wirkt schnell wuchtig und nimmt optisch viel Raum.
Wie verhindere ich, dass mein offenes Regal chaotisch wirkt?
Arbeite mit Wiederholungen und Zonen: gleiche Boxen, wiederkehrende Materialien, schwere Dinge unten, leichtere oben. Lass bewusst 1 bis 2 Fächer pro Meter halb leer. Bunte Bücher kannst du bündeln oder in Boxen verstauen, wenn sie dir zu unruhig sind.
Sind offene Regale mit kleinen Kindern sinnvoll?
Ja, wenn du die unteren Fächer kindersicher planst: stabile Boxen für Spielsachen, keine Glasobjekte oder schweren Gegenstände in Griffhöhe. Das Regal immer an der Wand verschrauben. Empfindliche oder gefährliche Dinge gehören ins obere Drittel oder in geschlossene Schränke.
Wie viele Dekoobjekte sind in einem offenen Regal noch „ok“?
Als grobe Faustregel: Pro Meter Regalbreite 3 bis 5 Dekoobjekte, die sichtbar einzeln stehen dürfen, dazu Bücher und einige Boxen. Lieber weniger, dafür größere Stücke. Wenn du beim Blick aufs Regal einzelne Dinge nicht mehr wahrnimmst, ist es zu viel und du solltest reduzieren.
