Kleines Wohnzimmer mit TV-Wand einrichten: Stauraum, Kabelmanagement und Blickachsen
Warum eine gut geplante TV-Wand im kleinen Wohnzimmer so wichtig ist
In vielen deutschen Wohnungen ist das Wohnzimmer zwischen 14 und 22 Quadratmeter groß. Der Fernseher steht oft irgendwo an der Wand, Kabel hängen herunter, das Lowboard ist zu klein oder zu vollgestellt. Ergebnis: Unruhe im Raum, schlechter Blick auf den TV und verschenkter Stauraum.
Mit einer gut geplanten TV-Wand kannst du drei Probleme auf einmal lösen: klare Blickachsen, viel zusätzlichen Stauraum und ein aufgeräumtes Bild ohne Kabelsalat. Wichtig ist eine realistische Planung, die zu deinem Grundriss, deinem Budget und deinem Alltag passt.
Im Folgenden gehen wir Schritt für Schritt durch: Position im Raum, Maße, Möbelauswahl, Kabelmanagement und Beleuchtung.
- Hast du ein festes „Haupt-Sofa“, von dem aus meistens ferngesehen wird? (Ja/Nein)
- Stört dich aktuell sichtbarer Kabelsalat rund um den Fernseher? (Ja/Nein)
- Fehlt dir Stauraum für Medien, Spiele, Bücher oder Deko im Wohnzimmer? (Ja/Nein)
- Kannst du mindestens 1,6 m freie Wandbreite für den TV-Bereich einplanen? (Ja/Nein)
- Bist du bereit, mindestens einen Nachmittag in Planung und Aufbau zu investieren? (Ja/Nein)
- Darfst du in der Wohnung bohren (Mietvertrag, Stromleitungen beachten)? (Ja/Nein)
- Möchtest du langfristig bei der Raumaufteilung bleiben (Sofa/TV nicht ständig umstellen)? (Ja/Nein)
Wenn du die meisten Fragen mit „Ja“ beantwortest, lohnt sich eine durchdachte TV-Wand praktisch immer.

Schritt 1: Den richtigen Platz für den Fernseher finden
Bevor du Möbel kaufst, musst du die Position des TVs im Raum klären. Der beste Schrank bringt nichts, wenn der Blickwinkel nicht passt.
Sitzposition und Blickrichtung planen
Orientiere dich immer zuerst am Hauptsitzplatz - meist Sofa oder Ecksofa.
- Abstand: Als grobe Faustregel ist der ideale Sitzabstand das 1,5- bis 2,5-fache der Bildschirmdiagonale (in cm). Bei 55 Zoll (ca. 140 cm) also 2,1 bis 3,5 m.
- Sitzhöhe: Die Bildschirmmitte sollte ungefähr auf Augenhöhe im Sitzen sein, meist 95 bis 110 cm vom Boden.
- Direktes Licht vermeiden: Kein Fenster direkt hinter dem TV und möglichst kein Fenster direkt gegenüber, sonst Spiegelungen.
Wand auswählen: Praxis im deutschen Grundriss
Typische Situationen in Mietwohnungen:
- Schlauchzimmer (z.B. 3 x 5 m): TV an die kurze Wand, Sofa gegenüber. So bleibt in der Mitte Platz und die Laufwege sind klar.
- Wohn- und Essbereich kombiniert: TV eher an die Wand, die vom Esstisch weg zeigt. So störst du Essbereich und Kommunikation weniger.
- Große Fensterfront an einer Längsseite: TV an die gegenüberliegende Innenwand, Rollos/Vorhänge gegen Spiegelungen einplanen.
- Dachgeschoss mit Schräge: TV eher an die höhere Wand, Sofa unter die Schräge. Wandhalterungen mit Neigung nutzen.
Messe die ausgewählte Wandbreite genau aus (Lichtschalter, Heizkörper, Türen mit einplanen). Diese Breite bestimmt später die Möbelmodule.
Schritt 2: TV-Montage oder Standlösung - was passt besser?
Ob du den Fernseher an die Wand hängst oder auf einem Lowboard stehen lässt, beeinflusst Optik, Kabelplanung und Sicherheit.
Wandmontage: schlank und aufgeräumt
Vorteile:
- mehr Luftigkeit, besonders in kleinen Räumen
- Kabel lassen sich besser verstecken
- weniger reflektierende Flächen auf dem Lowboard
Worauf du achten musst:
- Wandtyp prüfen: Beton, Ziegel oder Gipskarton? Bei Trockenbau unbedingt Hohlraumdübel/Hebelanker verwenden und Traglast der Wandhalterung beachten.
- Kabelauslass planen: Ideal ist eine Steckdose und Antennendose/WLAN-Repeater direkt hinter dem TV oder knapp darunter.
- Höhe testen: Mit Malerkrepp die geplante TV-Fläche an der Wand markieren und im Sitzen testen, ob du bequem schauen kannst.
Standlösung: flexibel und bohrfrei
Für viele Mietwohnungen ist eine Standlösung ohne Bohren angenehmer.
- Breites Lowboard: Der TV sollte mittig stehen, noch mindestens 10 bis 20 cm Abstand zu den Seiten.
- TV-Standfüße prüfen: Sind sie breit genug, um sicher zu stehen? Ggf. rutschfeste Unterlagen verwenden.
- Kippsicherung: Bei Kindern oder Haustieren den TV mit Sicherheitsgurt an der Wand oder am Möbel fixieren.
Komfortabel ist eine Mischlösung: TV mit Standfuß, der auf einem Möbelstück befestigt ist, und dezente Kabelkanäle an der Wand.
Schritt 3: Das passende TV-Möbel - Lowboard, Wohnwand oder Modulkombination?
Die TV-Möbel bestimmen, wie viel Stauraum du gewinnst und wie ruhig die Wand wirkt. In kleinen Wohnzimmern gilt: lieber breit und niedrig als hoch und wuchtig.
Option 1: Lowboard als Basis
Ein Lowboard ist meist 35 bis 50 cm hoch, 40 bis 50 cm tief und 120 bis 240 cm breit.
Empfehlungen:
- Breite: Mindestens TV-Breite plus jeweils 15 bis 30 cm je Seite. Bei 55 Zoll oft 160 bis 200 cm sinnvoll.
- Tiefe: 40 bis 45 cm reichen für Receiver, Konsolen, Router.
- Fronten: Klappen oder Schubladen beruhigen die Optik. Offene Fächer besser gezielt und begrenzt einsetzen.
Für kleine Räume bieten sich schmale, schwebend montierte Lowboards an. Sie vergrößern optisch den Raum und erleichtern das Putzen.
Option 2: Wohnwand light statt Riesenanlage
Die klassische massive Wohnwand wirkt in 18 qm schnell erschlagend. Besser sind leichte Kombinationen:
- Lowboard plus 1 bis 2 schmale Hochschränke an den Seiten
- Lowboard plus Wandboard(e) über oder neben dem TV
- hängende Schränke (60 bis 90 cm breit) oberhalb oder seitlich des TVs
Halte in der Vertikalen mindestens 20 cm Luft zwischen TV und darüber liegenden Schränken/Regalen. So wirkt die Wand nicht gequetscht.
Option 3: Modulsystem (z.B. IKEA, Hülsta, Mondo)
Mit Modulsystemen kannst du in 20-cm-Schritten planen und den Stauraum an deinen Grundriss anpassen.
- Planung: Erst TV-Position festlegen, dann seitlich und unten Module in Breiten von 40-60 cm ergänzen.
- Symmetrie: In kleinen Räumen hilft eine grobe Symmetrie links und rechts vom TV, damit die Wand ruhig wirkt.
- Mix aus offen/geschlossen: Unten eher geschlossen (Stauraum), oben oder seitlich offene Fächer für Bücher/Deko.
Schritt 4: Stauraum clever einplanen - ohne Unruhe
Eine TV-Wand kann enorm viel Stauraum bieten, ohne das Zimmer zu überladen. Wichtig ist die Aufteilung.
Was wirklich verstaut werden muss
Gehe einmal alles durch, was aktuell rund um den Fernseher herumliegt oder irgendwo im Wohnzimmer keinen festen Platz hat:
- Fernbedienungen, Controller, Ladekabel
- Spielekonsolen, Router, Receiver
- DVDs/Blu-rays, Brettspiele
- Zeitschriften, Bücher
- Decken, Kissen
- Kleinkram wie Stifte, Feuerzeug, Brillenputztücher
Plane für Kleinkram immer geschlossene Bereiche ein: Schubladen, Körbe in Fächern oder Schränke mit Türen.
Stauraumzonen sinnvoll anordnen
- Elektronik nah am TV: Konsole, Receiver, Soundbar in direkter Nähe, damit Kabel kurz bleiben.
- Medien unterhalb des TVs: Schubladen oder Klappen im Lowboard für DVDs, Spiele, Controller.
- Selten Genutztes seitlich/oben: Brettspiele, Deko, saisonale Sachen in seitlichen oder oberen Schränken.
- Schnellzugriff: Eine Schublade oder ein Korb für „Tageskram“ wie Fernbedienung, Notizblock, Ladekabel.
Nutze Innenorganisation: flache Kisten für Kabel, Trennstege in Schubladen, Boxen für Kleinteile. So bleibt es auch langfristig ordentlich.
Schritt 5: Kabelmanagement und Technik sauber integrieren
Nichts zerstört eine schöne TV-Wand so schnell wie herumhängende Kabel und Steckdosenleisten im Blickfeld.
Kabelplanung von Anfang an mitdenken
Prüfe vor der Möbelauswahl:
- Wo sind Steckdosen, Antennendose, Netzwerkdosen?
- Reicht die Anzahl der Steckdosen oder brauchst du eine Mehrfachleiste?
- Sollen Kabel sichtbar an der Wand entlanglaufen oder im Möbel verschwinden?
Praktische Lösungen:
- Kabelkanäle: Flache, überstreichbare Kanäle an der Wand, ideal in Wandfarbe gestrichen.
- Bohrungen im Möbel: Viele Lowboards haben Kabeldurchlässe. Wenn nicht, mit Lochsägen nachrüsten (Kabeltülle verwenden).
- Mehrfachsteckdose verstecken: In einem rückwärtigen Fach oder hinter einer Klappe, mit etwas Luft zur Wärmeabfuhr.
Router, Konsolen und Lüftung
Elektronik braucht Luft. Zu enge Schränke ohne Belüftung sind problematisch.
- Rückwand mit Lüftung: Entweder Ausschnitt in der Rückwand oder Lüftungsgitter einsetzen.
- Router-Empfang: Router nicht komplett im geschlossenen Schrank verstecken, besser offener Bereich oder Schrank mit Glasfront.
- Kabelreserve: Lieber 20 bis 30 cm Kabelreserve einplanen, damit du Geräte herausziehen kannst, ohne alles zu zerlegen.
Schritt 6: Farben, Materialien und Stil für kleine Wohnzimmer
Die TV-Wand ist optisch ein großer Block im Raum. Mit der richtigen Farb- und Materialwahl kannst du das Zimmer beruhigen oder bewusst Akzente setzen.
Farben für kleine Räume
- Hell und ruhig: Weiß, Off-White, Hellgrau, Beige lassen den Raum größer wirken.
- Warme Holztöne: Eiche hell, Buche natur oder Esche bringen Wärme, ohne zu schwer zu wirken.
- Dunkler TV, helles Möbel: Kontrast mildern, indem du das Möbel heller als den TV wählst.
Eine Möglichkeit ist eine etwas dunklere Wand hinter dem TV (z.B. Mittelgrau oder warmes Taupe) und davor helle Möbel. So „verschwindet“ der schwarze Bildschirm optisch etwas.
Materialwahl: pflegeleicht und robust
- Melamin/Schichtstoff: Sehr robust, gut zu reinigen, günstig. Ideal bei Kindern und Haustieren.
- Lack matt: Modern, aber empfindlicher. Fingerabdrücke bei dunklen Tönen sichtbar.
- Echtholzfurnier: Hochwertiger Look, etwas pflegeintensiver, Preisklasse mittel bis hoch.
Bei sehr kleinen Räumen sind matte Oberflächen besser als hochglänzende, weil sie weniger reflektieren und ruhiger wirken.

Schritt 7: Beleuchtung rund um die TV-Wand
Licht entscheidet stark darüber, ob der Raum gemütlich oder unruhig wirkt. Besonders beim Fernsehen ist gutes, indirektes Licht wichtig.
Grundbeleuchtung und Zonenlicht
- Deckenlicht dimmbar: Eine dimmbare Deckenleuchte oder Schiene, um von „Putzlicht“ auf „Filmabend“ umzuschalten.
- Steh- oder Tischleuchte: Seitlich vom Sofa oder an der gegenüberliegenden Wand für weiches Zonenlicht.
- Leselicht: Wenn jemand liest, während andere fernsehen, eine gerichtete Leuchte mit warmweißem Licht (2700-3000 K).
Indirektes Licht an der TV-Wand
Indirektes Licht macht die TV-Wand optisch leichter und vermindert den Helligkeitskontrast zum Bildschirm.
- LED-Stripes hinter dem TV oder am Lowboard-Unterboden
- kleine LED-Spots oder -Leisten in Wandregalen oder Hängeschränken
- Wandleuchten, die nach oben/unten strahlen, neben dem TV-Bereich
Achte auf warmweiße Lichtfarbe (2700-3000 K) und eher niedrige Helligkeit, damit die Augen beim Fernsehen nicht ermüden.
Schritt 8: Typische Fehler und wie du sie vermeidest
Zu großer Fernseher im kleinen Raum
Ein 75-Zoll-TV in 16 qm mit 2 m Sitzabstand wirkt erschlagend. Prüfe Bildschirmdiagonale und Sitzabstand sorgfältig. Lieber eine Nummer kleiner und dafür bessere Bildqualität.
Überladene Wand mit zu vielen Elementen
Vermeide ein „Regal-Museum“ rund um den TV. Besser:
- maximal 2 bis 3 unterschiedliche Möbeltypen (z.B. Lowboard + 1 Hängeschrank + 1 Wandboard)
- nicht alle Fächer offen, genug geschlossene Flächen einplanen
- Deko bewusst setzen: einige wenige größere Objekte statt viele kleine Staubfänger
Zentimeter nicht beachtet
In Altbau- und Neubauwohnungen sind Heizkörper, Steckdosen und Türen oft knapp kalkuliert. Messe genau:
- Abstand zu Türen: Lowboard nicht im Schwenkbereich der Tür
- Abstand zum Heizkörper: Mindestens 5 bis 10 cm Abstand, besser mehr
- Sockelleisten: Tiefe und Höhe prüfen, damit Möbel bündig stehen oder darüber hängen können
Podsumowanie
Kurze Checkliste für deine TV-Wand im kleinen Wohnzimmer:
- Sitzposition und Wand für den TV festgelegt (Abstand, Blickrichtung, Fenster geprüft)
- Entschieden: Wandmontage oder Standlösung, Wandtyp und Dübel geklärt
- Lowboard- oder Modulkombination in Breite und Höhe passend zum Raum geplant
- Stauraumzonen für Elektronik, Medien, Kleinkram konkret definiert
- Kabelwege, Steckdosen und Mehrfachleisten sauber durchdacht und versteckt
- Farben und Materialien hell und ruhig gewählt, TV optisch eingebunden
- Indirekte Beleuchtung und dimmbare Lichtquellen für Filmabende eingeplant
- Fallstricke wie zu großer TV, überladene Wand und Konflikte mit Heizkörpern vermieden
FAQ
Wie hoch sollte der Fernseher im Wohnzimmer hängen?
Die Bildschirmmitte sollte ungefähr auf Augenhöhe im Sitzen liegen, meist zwischen 95 und 110 cm Oberkante Bildschirmmitte über dem Boden. Teste die Höhe mit Malerkrepp an der Wand vom Sofa aus, bevor du bohrst.
Welche Tiefe ist für ein TV-Lowboard sinnvoll?
In den meisten Fällen reichen 40 bis 45 cm Tiefe. So passen Receiver, Konsolen und Mehrfachsteckdosen hinein, ohne dass das Möbel zu weit in den Raum ragt. In sehr schmalen Zimmern sind auch 35 cm möglich, dann aber Maße der Geräte genau prüfen.
Wie verstecke ich Kabel im Mietwohnung-Standard, ohne Wände aufzuschlitzen?
Nutze überstreichbare Kabelkanäle an der Wand, Bohrungen in der Rückwand des Lowboards und verstaue Mehrfachsteckdosen in einem hinteren Fach. Kanäle in Wandfarbe gestrichen fallen kaum auf. Bohren ist meist erlaubt, Leitungen davor mit einem Leitungssucher prüfen.
Welche Möbelbreite passt zu einem 55-Zoll-TV?
Bei 55 Zoll (ca. 123 cm Breite) sind Lowboards zwischen 160 und 200 cm ideal. So hat der TV links und rechts Luft und die Proportionen wirken stimmig. Bei sehr schmalen Wänden kannst du ab etwa 140 cm planen, dann aber besonders auf ausgewogene Deko achten.
