Kleines Gästezimmer multifunktional einrichten: Schlafplatz, Home Office und Stauraum
Warum dein Gästezimmer mehr können sollte als nur „Bett plus Kommode“
In vielen deutschen Wohnungen ist das Gästezimmer ein Luxusraum: selten genutzt, oft Abstellkammer mit Bett. Gleichzeitig fehlen ein ruhiger Home-Office-Platz, zusätzlicher Stauraum oder ein Rückzugsort.
Die Lösung: ein multifunktionales Gästezimmer, das drei Rollen erfüllt:
- Schlafplatz für Gäste (1-2 Personen)
- Arbeitsplatz/Home Office im Alltag
- Zusätzlicher Stauraum für Haushalt, Wäsche, Saisonkleidung
Gerade bei 8-12 qm ist Planung wichtiger als teure Möbel. Es zählt jeder Zentimeter und jede Öffnungsrichtung von Türen, Fenstern und Schränken.
| Funktion | Priorität im Alltag | Empfohlene Möbel |
|---|---|---|
| Home Office | täglich | schmaler Schreibtisch, ergonomischer Stuhl |
| Gäste schlafen | 5-30 Nächte/Jahr | Schlafsofa oder Klappbett |
| Stauraum | dauerhaft | hohe Schränke, Regale bis zur Decke |

Bestandsaufnahme: So misst und planst du das Zimmer sinnvoll
Bevor du Möbel kaufst, brauchst du einen realistischen Plan. Das spart Fehlkäufe und Nerven.
Schritt 1: Raum exakt ausmessen
Miss nicht nur die Grundfläche, sondern alles, was Platz kostet oder blockiert:
- Raumlänge und -breite (auf cm genau)
- Höhe des Raums (wichtig für hohe Schränke und Hochbetten)
- Position und Breite der Tür (inkl. Öffnungsrichtung)
- Fensterposition, -höhe und Heizkörper
- Steckdosen, Netzwerkdosen, Lichtschalter
Notiere dir: Wo kann realistisch ein Schreibtisch stehen (Blickrichtung, Licht, Steckdosen)? Wo passt ein Bett, ohne den Zugang zu blockieren?
Schritt 2: Funktionen nach Priorität sortieren
Überlege ehrlich, wie du den Raum nutzt:
- Wieviel Tage im Jahr sind tatsächlich Gäste da?
- Arbeitest du täglich, gelegentlich oder selten im Home Office?
- Wie viel Stauraum fehlt dir aktuell im Rest der Wohnung?
Typisches Muster in deutschen Wohnungen: Der Raum wird zu 80-90 Prozent als Arbeitszimmer und Stauraum genutzt und nur wenige Tage als Gästezimmer. Das heißt: Plane zuerst alltagstaugliches Arbeiten und Stauraum, dann die Gästefunktion.
Schritt 3: Grundriss grob skizzieren
Mach eine einfache Zeichnung (Papier reicht) im Maßstab, z.B. 1:50 (1 cm = 50 cm). Markiere:
- Tür und Öffnungsrichtung
- Fenster, Heizkörper
- Fixe Elemente (z.B. bereits vorhandener Einbauschrank)
Schiebe gedanklich drei Blöcke hin und her: Schlafzone, Arbeitszone, Stauraumzone. Ziel: Die Zonen sollen sich überlagern dürfen, aber nicht gegenseitig blockieren.
Schlaflösung wählen: Schlafsofa, Klappbett oder Tagesbett?
Die Schlaflösung entscheidet über den Rest des Raums. Wichtige Kriterien: Nutzungsfrequenz, Komfort, Platzbedarf, Budget.
Schlafsofa - flexibel, aber mit Tücken
Geeignet, wenn das Zimmer tagsüber eher Arbeitszimmer ist und Gäste nur gelegentlich kommen.
- Vorteile: tagsüber Sofa, nachts Bett; oft mit Bettkasten; ideal bei 10-12 qm.
- Nachteile: nicht jedes Modell ist bequem; tägliches Auf- und Zuklappen nervt, wenn du selbst darauf schläfst.
Praxis-Tipps:
- Achte auf echte Matratze mit Lattenrost, nicht nur Klapppolster.
- Breitenmaß: ca. 140 cm Liegefläche reicht für Gäste, Gesamtbreite meist 180-200 cm.
- Mindestens 80 cm Abstand zur gegenüberliegenden Wand einplanen, damit man bequem vorbeikommt.
Klappbett / Wandbett - maximale Fläche bei minimalem Platz
Ideal für sehr kleine Zimmer ab 8 qm, wenn du möglichst viel freie Bodenfläche willst.
- Vorteile: tagsüber fast unsichtbar; hochwertige Matratzen möglich; ideal für Yoga, Sport, kreatives Arbeiten im Raum.
- Nachteile: höherer Preis; Montage an tragfähiger Wand nötig; etwas aufwendiger zu planen.
Worauf achten:
- Prüfen, ob die Wand (z.B. Altbauziegel, GK-Leichtwand) das Gewicht trägt.
- Planungsmaß: 160-200 cm Breite der Front + Öffnungsradius der Liegefläche.
- Optionale Kombination mit Regalfront, damit es wie ein Schrank wirkt.
Tagesbett / Ausziehbett - gut für häufige Einzelgäste
Passt gut, wenn häufig eine Person übernachtet oder du das Bett auch als Liege- oder Leseplatz nutzt.
- Vorteile: nutzbar wie eine Sofa-Liege; Stauraum in Schubladen darunter; ausziehbar zur Doppelbettbreite.
- Nachteile: wirkt eher wie Bett als Sofa; braucht feste Stellfläche entlang einer Wand.
Maße: ca. 80-90 x 200 cm im Alltag, ausgezogen etwa 160-180 x 200 cm. Plane Rechts/Links genug Platz zum Ausziehen (mindestens 60 cm frei auf einer Seite).
Home Office im Gästezimmer: Arbeitsplatz ohne Chaos
Im Alltag soll der Raum als funktionales Arbeitszimmer funktionieren. Ziel: ergonomischer Arbeitsplatz, der bei Gästeanreise schnell „verschwindet“ oder ordentlich aussieht.

Schreibtisch: fest, klappbar oder integrierter Tisch?
Je nach Raumgröße und Arbeitsintensität kommen verschiedene Lösungen infrage:
- Schmaler Festschreibtisch (80-120 cm Breite): für tägliches Arbeiten ideal; Tiefe 60-70 cm, damit Monitor, Laptop und Unterlagen Platz haben.
- Klappschreibtisch an der Wand: gut bei sehr kleinen Räumen; Platte runterklappen zum Arbeiten, hochklappen bei Gästen.
- Schreibtisch im Schrank (Sekretär-Lösung): Türen auf - Arbeitsplatz, Türen zu - Gästezimmer aufgeräumt.
Praxis-Tipp zu Steckdosen: Wenn möglich, Schreibtisch an eine Wand mit mindestens 2 Steckdosen stellen. Verlege eine Steckdosenleiste mit Schalter und befestige sie unter der Tischkante, damit keine Kabelsalat-Orgie auf dem Boden entsteht.
Stuhl: Komfort vor Optik
In vielen Gästezimmern steht ein schöner, aber unbequemer Stuhl. Für Home Office ist das keine Lösung.
- Wähle einen kleinen, ergonomischen Bürostuhl ohne riesige Armlehnen, damit er weniger Platz braucht.
- Falls du Gäste nicht mit „Büro-Optik“ verschrecken willst: Stoffbezug in neutralem Grau oder Beige statt schwarzem Kunstleder.
- Stuhl bei Gästeanreise einfach an den Schreibtisch schieben und ggf. mit einem Überwurf kaschieren.
Organisation: Arbeitsmaterialien schnell unsichtbar machen
Damit der Raum bei Gästen nicht wie ein chaotisches Büro wirkt, brauchst du einige simple Organisationshilfen:
- 1-2 geschlossene Rollcontainer unter dem Schreibtisch für Akten, Technik, Büromaterial.
- Beschriftete Boxen im Regal für Kabel, Ladegeräte, Kleinkram.
- Ein „Gäste-Modus“-Karton: Kabel, Notizblöcke, Schreibtischchaos hinein, Deckel zu, in den Schrank - dauert 5-10 Minuten.
Stauraum smart integrieren: Hoch hinaus und entlang der Wände
Multifunktion funktioniert nur, wenn Stauraum strukturiert ist. Ziel: Möglichst viel Volumen bei möglichst wenig „ optischer Schwere“.
Wandschränke und hohe Regale
Nutze die Raumhöhe konsequent, gerade in Altbauten mit 2,80 m und mehr:
- Schränke bis zur Decke: Obere Fächer für seltener genutzte Dinge (Saisonbettwäsche, Koffer). Untere Bereiche für Alltag (Büromaterial, Ordner).
- Regale über der Tür: Ideal für Kisten mit Weihnachtsdeko, Archiv, selten benötigte Unterlagen.
- Schmale hohe Regale (20-35 cm tief): entlang kurzer Wand für Bücher, Ordner, Boxen.
Achte darauf, dass keine Tür (Raum- oder Schranktür) blockiert wird. Plane mindestens 80 cm Durchgangsbreite vor dem Schrank.
Stauraum unter und hinter Möbeln
Kleine Zimmer profitieren von „verstecktem“ Stauraum:
- Unter dem Bett/Schlafsofa: Ausziehschubladen oder flache Boxen auf Rollen für Bettwäsche, Handtücher, Gästedecken.
- Hinter der Tür: Hakenleiste oder flacher Türorganizer für Taschen, Gästemäntel, Yogamatte.
- Fensterbank: Bei breiten Fensterbänken: dekorative Boxen oder Körbe, die auch praktisch genutzt werden.
Zonen klar definieren
Ordne den Stauraum nach Funktion, nicht nach frei gewordenem Platz:
- Eine Zone für Büro (Ordner, Papier, Drucker, Kabel)
- Eine Zone für Gäste (zusätzliche Handtücher, Bettwäsche, Kissen)
- Eine Zone für Haushalt (Saisonkleidung, Deko, Koffer)
So findest du Dinge auch dann wieder, wenn der Raum regelmäßig seinen Modus wechselt.
Licht, Farben und Atmosphäre: Büro und Gästeraum unter einen Hut bringen
Der Raum soll tagsüber konzentriertes Arbeiten ermöglichen und abends Gäste entspannen lassen. Das funktioniert über Licht und Farbkonzept.
Beleuchtung in drei Ebenen planen
- Grundlicht: Deckenleuchte mit warmweißem Licht (ca. 2700-3000 K). Neutral, nicht zu kalt, nicht zu gelb.
- Arbeitslicht: Schreibtischlampe mit verstellbarem Arm, ideal mit einstellbarer Farbtemperatur. Position so, dass du keine Schatten auf die Arbeitsfläche wirfst.
- Stimmungslicht: Kleine Tisch- oder Stehleuchte bei der Schlafzone. Gut dimmbar oder mit schwächerem Leuchtmittel (z.B. 5-7 Watt LED).
Mit zwei Lichtquellen kannst du Büro- oder Gäste-Modus steuern: Im Büro alle Lichter an, bei Gästen eher Decken- plus Stimmungslicht.
Farbkonzept: neutral, aber nicht steril
Vermeide knallige Wandfarben, die auf Dauer im Home Office nerven oder Gäste überfordern. Bewährt haben sich:
- Wände: gebrochenes Weiß, helles Grau, warmes Greige oder sehr helles Blau/Grün.
- Möbel: Holzdekor (Eiche hell, Buche) oder Weiß, dazu ein paar dunklere Akzente (schwarze Lampen, dunkler Stuhlrahmen).
- Textilien: Kissen, Plaids und Vorhänge in 2-3 aufeinander abgestimmten Tönen (z.B. Sand, Oliv, Dunkelblau).
So wirkt das Zimmer nicht wie ein nüchternes Büro, aber auch nicht wie ein überladenes Gästezimmer.
Konkrete Grundriss-Ideen für 8, 10 und 12 Quadratmeter
Je nach Größe ergeben sich typische Layouts. Hier drei praxistaugliche Beispiele:
8 qm: Mini-Büro mit Gastbettfunktion
- Schlaflösung: Klappbett oder schmales Tagesbett entlang der kurzen Wand.
- Arbeitsplatz: Schmaler Wandklapptisch oder 80 cm Schreibtisch gegenüber.
- Stauraum: Hoher Schrank um die Tür herum oder ein 40-50 cm tiefer Schrank an der längeren Wand.
Ziel: tagsüber maximale Bodenfläche, damit der Raum nicht wie Abstellkammer wirkt.
10 qm: Ausgewogenes Gäste- und Arbeitszimmer
- Schlaflösung: Schlafsofa 140 cm an der längeren Wand.
- Arbeitsplatz: 100-120 cm Schreibtisch am Fenster, Stuhl zur Raummitte.
- Stauraum: 2-türiger Schrank 60 cm tief plus schmales Regal.
Hier kannst du eine kleine Leseecke simulieren: Schlafsofa mit Kissen wirkt im Alltag wie Couch, bei Besuch wie Bett.
12 qm: Komfort für Gäste und vollwertiges Home Office
- Schlaflösung: Tagesbett mit Auszug oder hochwertiges Schlafsofa.
- Arbeitsplatz: normaler Schreibtisch 140 cm + ergonomischer Stuhl, evtl. kleiner Beistelltisch für Drucker.
- Stauraum: Schrankwand über Eck, teils mit geschlossenen Fronten, teils Regale.
In dieser Größe kannst du mit einem kleinen Teppich und einem Sessel zusätzlich eine ruhige Lese- oder Telefonzone einrichten, wenn kein Gast da ist.
Gäste-Modus aktivieren: In 15 Minuten vom Büro zum Gästezimmer
Wenn sich Besuch ankündigt, sollte der Umbau schnell gehen. Lege dir ein einfaches Ritual zurecht.
Schritt-für-Schritt-Check vor Anreise
- 1. Oberfläche leerräumen: Schreibtisch aufräumen, Arbeitsmaterialien in Box oder Rollcontainer räumen.
- 2. Bett vorbereiten: Schlafsofa ausziehen oder Bett aufbauen, frische Bettwäsche beziehen, zusätzliches Kissen bereitlegen.
- 3. Ablagefläche schaffen: Ein kleines Tablett oder Beistelltisch neben das Bett für Wasser, Handy, Brille.
- 4. Stauraum für Gäste: 1-2 leere Kleiderbügel und etwas Platz im Schrank frei machen.
- 5. Bad-Zugriff bedenken: Extra-Handtücher sichtbar bereitstellen, ggf. Hinweis, wo Föhn etc. sind.
So fühlt sich der Raum nicht wie „zweckentfremdetes Büro“, sondern wie bewusst vorbereiteter Gästebereich an.
Podsumowanie
- Raum exakt ausmessen und Nutzungspriorität festlegen (Arbeit, Gäste, Stauraum).
- Schlaflösung nach Häufigkeit der Nutzung wählen: Schlafsofa, Klappbett oder Tagesbett.
- Arbeitsplatz ergonomisch planen, trotzdem schnell aufräumbar machen.
- Stauraum bis zur Decke und unter Möbeln nutzen, klar nach Funktion ordnen.
- Licht und Farben so wählen, dass Büro- und Gäste-Modus beide stimmig wirken.
- Fixes „Gäste-Modus“-Ritual entwickeln, um in 10-15 Minuten umzubauen.
FAQ
Wie klein darf ein Gästezimmer mit Home Office sein, damit es noch funktioniert?
Ab etwa 8 qm ist ein kombinierter Raum realistisch, wenn du ein Klappbett oder sehr kompaktes Schlafsofa nutzt und keinen übergroßen Schreibtisch einplanst. Wichtig sind klare Zonen und durchdachter Stauraum.
Was ist für seltene Gäste sinnvoller: Schlafsofa oder Klappbett?
Wenn Gäste nur wenige Nächte im Jahr kommen und du viel Platz im Alltag brauchst, ist ein Klappbett ideal. Bei regelmäßigeren Übernachtungen und wenn der Raum auch als gemütliche TV- oder Leseecke dienen soll, ist ein gutes Schlafsofa praktischer.
Kann ich ein multifunktionales Gästezimmer auch als vollwertiges Home Office steuerlich absetzen?
Das hängt vom deutschen Steuerrecht und der konkreten Nutzung ab. Da der Raum auch privat als Gästezimmer dient, ist eine vollständige Anerkennung als Arbeitszimmer meist schwierig. Kläre das im Zweifel mit einem Steuerberater.
Wie verhindere ich, dass mein Gästezimmer zur Rumpelkammer wird?
Lege feste Kategorien für den Stauraum fest, nutze geschlossene Schränke und Boxen und führe eine einfache Regel ein: Nichts „provisorisch“ im Raum abstellen. Alles bekommt einen definierten Platz oder kommt gar nicht ins Gästezimmer.
