Kleines Esszimmer einrichten: Tisch, Stühle und Stauraum clever planen
Funktion und Bedürfnisse klären, bevor du Möbel kaufst
Ein kleines Esszimmer in einer deutschen Wohnung hat oft nur 6 bis 12 Quadratmeter und wird schnell zum Durchgangs- oder Abstellraum. Bevor du Tische, Stühle und Schränke kaufst, musst du klären, wie der Raum im Alltag wirklich genutzt wird.
Stelle dir gezielt Fragen und lege Prioritäten fest. Das spart Geld, vermeidet Fehlkäufe und hilft bei der Auswahl der richtigen Möbelmaße.
Typische Wohnsituationen in deutschen Wohnungen:
- 2-Personen-Haushalt mit gelegentlichen Gästen
- Familie mit 1-2 Kindern, Essen und Hausaufgaben am Tisch
- Esszimmer als Kombiraum: Essen + Home Office + Bügeln
Schreibe dir in Stichpunkten auf, was im Raum passieren soll und was auf keinen Fall fehlen darf.
- Esst ihr mindestens einmal täglich am Tisch (nicht auf dem Sofa)?
- Habt ihr regelmäßig Gäste (mind. 1-mal im Monat) zum Essen?
- Braucht ihr den Tisch zusätzlich für Arbeiten, Hausaufgaben oder Basteln?
- Gibt es keinen anderen sinnvollen Ort für einen größeren Tisch in der Wohnung?
- Könnt ihr mit 60 bis 80 cm Durchgangsbreite rund um den Tisch leben?
- Seid ihr bereit, Stauraum zugunsten von Bewegungsfläche zu reduzieren?
- Habt ihr die Möglichkeit, eine Seite des Tisches an die Wand zu stellen?

Die richtige Tischform und -größe für kleine Esszimmer
Die Wahl des Tisches entscheidet darüber, ob dein Esszimmer eng und vollgestellt oder kompakt und gut nutzbar wirkt. In kleinen Räumen sind nicht nur Zentimeter, sondern auch die Form wichtig.
Standardmaße für Esstische - was wirklich alltagstauglich ist
Praktische Richtwerte für deutsche Wohnungen und durchschnittliche Körpergrößen:
- Tischhöhe: 74 - 76 cm (Standard, passt zu den meisten Stühlen)
- Sitztiefe pro Person an der Längsseite: ca. 60 cm
- Tischtiefe für zwei Personen gegenüber: ca. 80 cm ausreichend, 90 cm komfortabel
Empfohlene Tischgrößen in kleinen Esszimmern:
- Für 2 Personen täglich, 4 Personen gelegentlich: 120 x 80 cm, ausziehbar auf 160 - 180 cm
- Für 4 Personen täglich: 130 - 140 x 80 - 85 cm
- Quadratisch, wenn der Raum fast so breit wie lang ist: 80 x 80 cm (2-3 Personen), 90 x 90 cm (bis 4 Personen)
- Runder Tisch: Durchmesser 90 cm (3 Personen), 100 - 110 cm (4 Personen)
Rechteckig, rund oder quadratisch - was passt zu welchem Grundriss?
Rechteckige Tische funktionieren fast immer und sind besonders geeignet, wenn der Raum eher schmal ist.
- Gut entlang einer Wand oder unter einem Fenster platzierbar
- Eine Längsseite kann an der Wand stehen, wenn Platz knapp ist
- Optimal für schmale Räume ab ca. 1,90 m Breite
Runde Tische wirken luftiger und sind ideal, wenn man oft zu dritt oder viert sitzt und niemand am „schlechtesten Platz“ am Kopfende sitzen soll.
- Kein Stoßen an Ecken, sicherer in engen Räumen
- Brauchen insgesamt etwas mehr Platz im Raum
- Schwierig, direkt an der Wand zu platzieren (Ausnahme: halbrunde Klapptische)
Quadratische Tische passen zu nahezu quadratischen Räumen.
- Wirken ruhig und geordnet
- Kann mit einer Seite an der Wand stehen und bei Besuch vorgezogen werden
- Oft praktisch in 2-Zimmer-Wohnungen mit kleinem Essbereich
Ausziehbare Tische: sinnvoll oder nervig im Alltag?
Ausziehtische sind im kleinen Esszimmer oft die beste Lösung, aber nur, wenn der Mechanismus einfach zu bedienen ist.
Achte beim Kauf auf:
- Auszug mit integrierten Platten, damit nichts separat gelagert werden muss
- Stabilität auch im ausgezogenen Zustand (kein starkes Wackeln)
- Bedienung: Kann eine Person alleine ausziehen?
- Beine: Bleiben die Beine an den Ecken oder rücken sie in die Mitte (wichtig für Beinfreiheit)?
Praxistipp: Plane im Grundriss, wie der Raum aussieht, wenn der Tisch ausgezogen ist. Hast du dann noch mindestens 60 cm Durchgang auf der Hauptlaufstrecke?
Stühle, Bänke und Sitzkomfort auf engem Raum
In kleinen Esszimmern sind Stühle oft das eigentliche Platzproblem, nicht der Tisch. Zu wuchtige Sitzmöbel machen den Raum optisch voll und engen die Bewegungsfläche ein.
Schlanke Stühle wählen: Maße, auf die du achten solltest
Für kleine Räume eignen sich Stühle mit folgenden Richtwerten:
- Gesamtbreite pro Stuhl: 42 - 48 cm
- Sitzhöhe: 45 - 47 cm (passend zu 74 - 76 cm Tischhöhe)
- Ohne Armlehnen: spart Platz und erleichtert das Unter-den-Tisch-Schieben
Was du vermeiden solltest:
- Sehr breite Polsterstühle ab 55 cm Breite
- Hohe, massive Rückenlehnen in dunklen Farben in sehr kleinen Räumen
- Schwere, dick gepolsterte Stühle, die kaum verschoben werden können
Geeignete Stuhltypen:
- Schlanke Holzstühle mit leichter Polsterung
- Schalenstühle mit schmalem Fußgestell
- Stapellstühle für Haushalte, die nur gelegentlich mehr Plätze brauchen
Sitzbänke im kleinen Esszimmer: Chance oder Kompromiss?
Eine Bank kann in engen Räumen Platz sparen, insbesondere an der Wandseite.
Vorteile:
- Mehr Personen auf kleiner Breite unterzubringen
- Bank lässt sich direkt an die Wand schieben, kein Stuhlabstand nötig
- Unter einer Bank kann man Kisten oder Kästen als Stauraum nutzen
Nachteile:
- Personen in der Mitte kommen schlechter raus
- Wenn die Bank zu tief ist, wird der Durchgang knapp
- Flexibilität geringer als bei einzelnen Stühlen
Praxistipp: Für ein sehr kleines Esszimmer mit schmalem Grundriss ist eine fest an der Wand stehende Bank plus 2-3 Stühle auf der anderen Seite oft die beste Lösung.
Polsterung und Materialien: alltagstauglich auswählen
In deutschen Haushalten mit Kindern oder häufigen Gästen soll der Essbereich robust sein. Achte bei der Materialwahl auf Reinigung und Haltbarkeit.
- Bezüge: abwischbare Kunstleder, robuste Webstoffe mit hoher Scheuerbeständigkeit (z. B. 30.000 Martindale und mehr)
- Farben: mittlere Töne wie Grau, Taupe oder Beige sind pflegeleichter als reines Weiß
- Gestelle: Metall oder Massivholz, keine zu filigranen Konstruktionen, wenn der Boden uneben ist
Stauraum im Esszimmer: Geschirr, Textilien und Kleinkram unterbringen
Das Esszimmer ist oft auch Lagerort für Geschirr, Gläser, Tischdecken, Kerzen und manchmal Unterlagen. In kleinen Räumen brauchst du durchdachte Stauraumlösungen, die den Raum nicht erschlagen.

Sideboards, Highboards oder Vitrinen: welche Schrankform eignet sich?
Sideboards sind niedrig und lassen den Raum großzügiger wirken.
- Höhe meist 70 - 90 cm
- Gut als Abstellfläche für Lampen, Deko oder Tabletts
- Ideal an längeren Wänden
Highboards nutzen die Höhe besser, wirken aber massiver.
- Höhe ca. 120 - 140 cm
- Bieten mehr Stauraum auf wenig Stellfläche
- Gut geeignet, wenn wenig Stellwand vorhanden ist
Vitrinen sind sinnvoll, wenn du Geschirr sichtbar lagern möchtest.
- Glasfronten lassen den Schrank leichter wirken, wenn der Inhalt geordnet ist
- Oberlicht oder integrierte Beleuchtung kann Atmosphäre schaffen
- Nicht geeignet, wenn du viel bunt gemischtes Zeug unterbringen willst
Praxistipp: In wirklich kleinen Esszimmern (unter 8 Quadratmetern) reicht meist ein schmales Sideboard oder Highboard. Große Wohnwände oder tiefe Buffetschränke wirken schnell erdrückend.
Hängeschränke und Nischen nutzen
Wenn die Stellfläche knapp ist, arbeite in die Höhe.
- Flache Hängeschränke (Tiefe 30 - 35 cm) über Sideboard oder Bank
- Offene Regalböden über 1,80 m Höhe für selten genutzte Dinge
- Nischen neben Türen mit schmalen Regalen (z. B. 20 - 30 cm tief)
Wichtig: Überlade die Wände nicht vollständig. Eine Wand darf ruhiger bleiben, damit der Raum nicht zu voll wirkt.
Stauraum im Tisch oder in der Bank integrieren
In sehr kleinen Räumen kannst du Stauraum in Sitzmöbel und Tisch integrieren:
- Bank mit Klappsitz und integriertem Stauraum für Tischdecken und Deko
- Tische mit Schubkästen oder Ablageboden unter der Platte (für Platzsets, Untersetzer)
- Rollcontainer oder Rollkisten unter einer übertiefen Bank
Praxistipp: Plane Stauraum eher geschlossen (Türen, Schubladen) als offen. Offene Regale sehen im Esszimmer schnell unruhig aus, besonders bei wenig Tiefe.
Licht, Farben und Teppiche: Atmosphäre im kleinen Esszimmer
Ein kleines Esszimmer wirkt schnell dunkel und eng, wenn Beleuchtung und Farbwahl nicht stimmen. Mit wenigen gezielten Maßnahmen erreichst du einen deutlich großzügigeren Eindruck.
Zentrale Pendelleuchte und ergänzendes Licht
Über dem Esstisch ist eine zentrale Pendelleuchte praktisch Standard.
- Höhe: ca. 60 - 70 cm über der Tischplatte, so dass niemand hineinblickt oder den Kopf stößt
- Breite: Leuchte nicht breiter als der Tisch, bei länglichen Tischen auch 2-3 kleinere Pendel möglich
- Lichtfarbe: warmweiß (2700 - 3000 K) für angenehme Atmosphäre
Zusätzlich sinnvoll:
- Wandleuchte oder kleine Tischlampe auf dem Sideboard für indirektes Licht
- Dimmer, um zwischen Essen, Arbeiten und gemütlichem Beisammensitzen zu wechseln
- Keine zu grellen Spots direkt im Blickfeld der Sitzenden
Farbkonzept für kleine Esszimmer
Helle, gebrochene Töne lassen den Raum größer wirken, ohne steril zu sein.
- Wände in warmen Weißtönen, Hellgrau, Greige oder pastelligen Nuancen
- Dunkle, satte Farben höchstens an einer Wand, idealerweise hinter einer Bank oder dem Sideboard
- Möbel in Holz oder Weiß, maximal ein dunkler Akzent (z. B. schwarze Stuhlgestelle)
Praxistipp: Wenn der Boden dunkel ist (z. B. dunkles Laminat), wähle den Tisch in einer helleren Holzart oder in Weiß, damit der Raum nicht zu schwer wirkt.
Teppich ja oder nein im kleinen Esszimmer?
Ein Teppich kann den Essbereich optisch zusammenfassen, birgt aber praktische Risiken.
Vorteile:
- Optische Zonierung, besonders bei offenem Grundriss
- Weniger Trittschall in Altbauwohnungen
- Mehr Behaglichkeit
Nachteile:
- Stühle bleiben bei zu hohem Flor hängen
- Fleckenrisiko durch Essen und Getränke
- Teppichkanten können zur Stolperfalle werden
Wenn Teppich, dann:
- Flachgewebe oder kurzflorige Teppiche, leicht zu saugen
- Teppich mindestens 60 cm über den Tischrand hinaus, damit Stühle beim Zurückziehen auf dem Teppich bleiben
- Material robust und leicht zu reinigen (z. B. synthetische Teppiche mit Fleckschutz)
Grundriss und Stellvarianten im kleinen Esszimmer planen
Bevor du Möbel kaufst, lohnt sich eine grobe Grundrissskizze. So erkennst du, ob du dich später noch gut bewegen kannst.
Schmale Räume: Längs stellen und an die Wand rücken
Bei einem schmalen Raum (z. B. 2 x 3,5 m):
- Tisch mit der Längsseite parallel zur längeren Wand
- Eine Längsseite des Tisches kann dauerhaft an der Wand stehen
- Bank an der Wandseite, Stühle auf der gegenüberliegenden Seite
- Sideboard an der Stirnseite, wo genug Tiefe vorhanden ist
So erreichst du einen klaren Laufweg auf einer Seite des Raumes.
Nahezu quadratische Räume: zentraler Tisch und ein Stauraummöbel
Bei Räumen um 2,5 x 2,5 m:
- Quadratischer oder runder Tisch in der Mitte
- Schmaler Schrank oder Sideboard an einer Wand
- Maximal 4 Stühle, eher schmale Modelle
- Türanschlag beachten, damit die Tür nicht gegen Stühle schlägt
Praxistipp: Klebe die geplanten Möbelgrößen mit Malerkrepp auf dem Boden ab und teste, ob Türen und Schubladen sich problemlos öffnen lassen.
Offener Durchgang oder Tür? Bewegungsflächen realistisch planen
In vielen Wohnungen ist das Esszimmer Durchgangszimmer zum Wohnzimmer oder zur Küche. Plane daher:
- Mindestens 80 cm Breite auf der Hauptlaufstrecke als komfortablen Durchgang
- Schmalere Bereiche von 60 cm sind als kurze Engstelle vertretbar, aber nicht direkt hinter Stühlen
- Keine Stuhlplätze direkt vor Türen, die ständig geöffnet werden
Wenn du nur selten viele Personen bewirten musst, plane die Standardposition für den Alltag und überlege, wie du temporär erweitern kannst (Klappstühle, Tisch ein Stück verrücken).
Podsumowanie
Kurze Checkliste für dein kleines Esszimmer:
- Funktion geklärt: Wie viele Personen täglich, wie viele gelegentlich?
- Tischgröße realistisch geplant: lieber kleiner und ausziehbar als dauerhaft zu groß
- Schlanke Stühle oder Bank statt wuchtiger Polstersessel gewählt
- Stauraum konzentriert in einem Sideboard oder Highboard, möglichst geschlossen
- Licht mit Pendelleuchte und indirekten Quellen geplant, warmweiß und dimmbar
- Farben hell und ruhig, maximal ein dunkler Akzent
- Bewegungsflächen und Türöffnungen im Grundriss überprüft
FAQ
Wie viel Platz brauche ich mindestens um den Esstisch herum?
Plane rund um den Tisch mindestens 80 cm von Tischkante bis Wand oder Möbelstück, damit du bequem aufstehen kannst. An engen Stellen sind 60 cm noch nutzbar, aber nicht ideal direkt hinter häufig genutzten Stühlen.
Ist ein runder Tisch besser für kleine Esszimmer?
Runde Tische wirken luftiger und sind gut, wenn niemand am Kopfende sitzen soll. Sie brauchen aber insgesamt etwas mehr Fläche. In sehr schmalen Räumen ist ein rechteckiger Tisch meist praktischer, weil du ihn an die Wand rücken kannst.
Welche Tischplatte eignet sich für kleine, stark genutzte Esszimmer?
Robuste, pflegeleichte Oberflächen sind sinnvoll: Melamin, HPL oder furnierte Platten mit guter Versiegelung. Massivholz ist schön, braucht aber mehr Pflege. Hochglanzoberflächen wirken schnell fleckig und zeigen Kratzer.
Wie kann ich ein Esszimmer gleichzeitig als Arbeitsplatz nutzen?
Wähle einen Ausziehtisch, der im Arbeitsmodus größer wird. Nutze ein Sideboard mit Schubladen für Arbeitsmaterial und eine gute, dimmbare Beleuchtung. Achte darauf, dass Laptop und Unterlagen schnell weggeräumt werden können, damit der Tisch zum Essen frei ist.
