Kleines Badezimmer mit Dusche optimal planen: Maße, Grundrisse und Produkte
Warum die Planung im kleinen Bad mit Dusche so kritisch ist
Ein kleines Badezimmer mit Dusche ist in vielen deutschen Wohnungen Standard: 3 bis 5 Quadratmeter, meist ohne Fenster, oft mit ungünstigen Leitungen. Genau hier entscheidet eine saubere Planung darüber, ob der Raum sich eng und chaotisch oder funktional und ruhig anfühlt.
In diesem Artikel geht es um praxisnahe Planung eines kleinen Bades mit Dusche, nicht um komplette Kernsanierung. Fokus: sinnvolle Maße, typische Grundrisse, passende Duschlösung, Produkte, Stauraum und Materialwahl, die du im Alltag wirklich gut nutzen kannst.
Als Orientierung gehe ich vor allem von Bädern zwischen 3 und 6 Quadratmetern aus, wie man sie häufig in Mietwohnungen oder Reihenhäusern in Deutschland findet.
- Hast du mindestens 80 x 80 cm zusammenhängende Fläche frei, ohne Türaufschlag?
- Lässt sich die Badezimmertür notfalls auf außenöffnend oder Schiebetür umbauen?
- Gibt es eine gerade Wandstrecke von mindestens 90 cm für eine Duschabtrennung?
- Liegt der Ablauf in der Nähe der vorgesehenen Duschfläche oder ist ein Pumpensystem möglich?
- Kannst du vor WC und Waschbecken jeweils mindestens 60 cm Bewegungsfläche einplanen?
- Ist eine Wand tragfähig genug, um Duschglas, Klappsitz oder Haltegriffe zu befestigen?
- Bist du bereit, im Zweifel auf einen Teil Stauraum zugunsten von Bewegungsfreiheit zu verzichten?

Maße im kleinen Bad: Was wirklich notwendig ist
Gerade im kleinen Bad sind realistische Maße der Schlüssel. Man unterschätzt leicht, wie viel Platz Bewegungsflächen und Türaufschläge brauchen.
Minimale sinnvolle Duschmaße
Alles, was kleiner als 80 x 80 cm ist, ist in der Praxis nur eine Notlösung. Besser sind:
- 80 x 80 cm - absoluter Kompromiss, für schmale Personen ok, für breite Schultern schnell eng.
- 90 x 80 cm - deutlich angenehmer, oft gut in schmale Bäder integrierbar.
- 90 x 90 cm - komfortabel, ideal, wenn der Grundriss es hergibt.
Wenn die Grundfläche knapp ist, lohnt sich eine rechteckige Dusche (z. B. 100 x 80 cm) oft mehr als eine quadratische. Man gewinnt Bewegungsfreiheit beim Einsteigen.
Wichtige Abstände im kleinen Bad
Damit du dich im Alltag nicht ständig stößt, solltest du folgende Abstände einhalten:
- Vor dem Waschbecken: mindestens 60 cm Tiefe frei, 70 cm sind angenehm.
- Vor dem WC: 60 cm frei, seitlich je 20 cm bis zur Wand oder zu Möbeln.
- Zwischen zwei Sanitärobjekten (z. B. WC und Waschbecken): mindestens 10 cm Abstand, damit nichts „gequetscht“ wirkt.
- Türaufschlag: plane mindestens 80 cm Breite und den Schwenkbereich mit ein - oder denke direkt über eine Schiebetür nach.
Typische Grundrisse und wie du sie optimal nutzt
In Bestandsbädern sieht man immer wieder ähnliche Grundriss-Typen. Statt alles neu zu erfinden, lohnt es sich, bewährte Lösungen anzuschauen und auf den eigenen Raum zu übertragen.

Langer Schlauch (z. B. 1,3 x 3,0 m)
Schmale, lange Bäder sind typisch in Altbauten. Hier funktioniert ein „Linien-Grundriss“ besonders gut.
Bewährte Anordnung:
- Gleich neben der Tür: schmales Waschbecken (40-45 cm tief), damit der Durchgang frei bleibt.
- Danach entlang derselben Wand: WC.
- Hinter dem WC am Ende des Raums: rechteckige Dusche (z. B. 100 x 80 cm) mit fester Glaswand und Schiebetür oder nur Festteil mit offenem Einstiegsbereich.
Praxis-Tipp: Wenn die Tür nach innen öffnet und mit dem Waschbecken kollidiert, prüfe, ob eine Außentür oder eine Schiebetür vor der Wand möglich ist. Das bringt oft 0,5 m² mehr nutzbare Fläche.
Fast quadratisches Minibad (z. B. 2,0 x 2,0 m)
Diese Form findet man häufig in Neubauten oder sanierten Wohnungen.
Bewährte Anordnung:
- Gegenüber der Tür: bodengleiche Dusche (90 x 90 cm) mit Glasabtrennung oder Walk-in.
- Links oder rechts neben der Tür: WC.
- An der gegenüberliegenden Ecke: Waschbecken mit Unterschrank.
Praxis-Tipp: In quadratischen Bädern wirkt eine Ecke oft „tot“. Nutze diese für eine Viertelkreis-Dusche nur, wenn du wirklich keinen Platz hast. Rechteckige Lösungen sind meist komfortabler und leichter mit Duschabtrennungen in Standardmaßen zu planen.
Bad mit Dachschräge
Bei Bad unterm Dach ist die Stehhöhe entscheidend. Unter 2,0 m bringt eine Dusche dort wenig.
- Setze die Dusche dorthin, wo die Raumhöhe mindestens 2,1 m beträgt.
- Unter die Schräge kommen eher WC oder Badmöbel.
- Wähle flache Duschköpfe und eventuell eine niedrigere Aufhängung, wenn dir 2,0 m reichen.
Praxis-Tipp: Bei Dachschrägen funktioniert oft eine nur teilverglaste Dusche gut. Die Glaswand steht im hohen Bereich, der Bereich unter der Schräge bleibt offen oder mit Duschvorhang gelöst.
Welche Duschlösung passt in ein kleines Bad?
Die Wahl der Duschart beeinflusst sowohl Platzbedarf als auch Reinigung und Optik. Im kleinen Bad lohnt sich ein genauer Vergleich.
Bodengleich, Duschwanne oder Kombi?
Bodengleiche Dusche:
- Optisch am ruhigsten, der Boden läuft durch, der Raum wirkt größer.
- Erfordert meist höhere Aufbauhöhe oder Anpassung des Estrichs und ausreichend Gefälle.
- Ideal bei größerer Renovierung oder Neubau.
Flache Duschwanne (z. B. Stahl oder Acryl):
- In der Sanierung oft einfacher einzubauen, da standardisierte Maße und klarer Ablauf.
- Gibt es schon mit superflachen Rändern (2-3 cm), so gut wie bodengleich nutzbar.
- Pflegeleicht, je nach Material kratz- und rutschfest.
Praxis-Empfehlung: Im kleinen Bestandbad ist eine ultraflache Duschwanne meist die beste Kombination aus Optik, Kosten und Aufwand.
Die passende Duschabtrennung wählen
Im kleinen Bad entscheidet die Art der Tür über Alltagstauglichkeit:
- Schiebetür: Gute Lösung für enge Räume, da sie keinen Schwenkbereich braucht. Achte auf hochwertige Rollen, sonst klemmt sie nach wenigen Jahren.
- Pendeltür nach innen/außen: Praktisch, wenn du Platz vor der Dusche hast. Wichtig: Tür muss komplett geöffnet werden können, um gut reinigen zu können.
- Faltbare Tür: Ideal bei sehr engen Grundrissen, weil sie sich zusammenklappen lässt. Optisch etwas unruhiger, aber im Alltag oft ein Gamechanger.
- Walk-in (festes Glaselement, offener Einstieg): Sehr luftige Optik, aber du brauchst ausreichend Länge (mind. 120 cm), damit nicht das ganze Bad nass wird.
Praxis-Tipp zur Reinigung: Wähle möglichst große Glasflächen mit wenig Profilen und wenn möglich mit Beschichtung. Kombiniere das mit einem Wand-Duschabzieher neben der Dusche - so bleibt das Glas über Jahre klar.
Stauraum planen, ohne das Bad zu überladen
Im kleinen Bad wirkt jedes zusätzliche Möbelstück schnell erdrückend. Stauraum musst du deshalb gezielt planen.
Was muss wirklich ins Bad?
Sortiere zuerst, was du wirklich im Bad benötigst:
- Tägliche Nutzung: Zahnbürsten, Pflegeprodukte, Deo, Kamm, Handtücher im Gebrauch.
- Wöchentliche Nutzung: Putzmittel, Vorratsflaschen, Reserve-Toilettenpapier.
- Saisonales oder selten: Gästehandtücher, Vorräte, Reisegrößen.
Praxis-Tipp: Selten genutzte Dinge gehören eher in den Flur- oder Schlafzimmerschrank. So bleibt das Bad leichter und übersichtlicher.
Clevere Stauraum-Lösungen im kleinen Bad
- Waschtischunterschrank: Ziehe Schubladen Regalböden vor. Man kommt leichter an alles heran, besonders in der Tiefe.
- Spiegelschrank statt Spiegel: Doppelt genutzt - Licht, Spiegelfläche und Stauraum in einem. Achte auf ausreichende Tiefe (mind. 12-14 cm innen).
- Hohe, schmale Hochschränke: Besser als breite, niedrige Möbel. Sie nutzen die Höhe und lassen mehr Bodenfläche sichtbar.
- Nischen über der Vorwandinstallation (WC): Bieten Platz für Toilettenpapier, Dekoration, kleine Körbe mit Pflegeprodukten.
- Regalbretter über Tür oder Waschmaschine: Perfekt für selten genutzte Dinge und Handtuchvorräte.
Wichtig: Im kleinen Bad lieber 2-3 gut geplante Stauraumpunkte statt viele kleine Haken, Körbchen und Regale, die optisch Unruhe bringen.
Materialien, Farben und Licht: So wirkt das Minibad größer
Selbst ein sehr kleines Bad kann großzügig und ruhig wirken, wenn du bei Materialien, Fugen und Licht klar planst.
Fliesenwahl im kleinen Bad
Fliesengröße:
- Mittelgroße Formate (z. B. 30 x 60 cm oder 60 x 60 cm) funktionieren sehr gut, auch in kleinen Räumen.
- Sehr kleine Mosaikfliesen nur gezielt als Akzent, sonst wirkt es schnell unruhig und schwer zu reinigen.
Fugenbild:
- Wähle fugenarme Lösungen, also größere Formate mit schmalen Fugen (2-3 mm), Farbton ähnlich wie die Fliese.
- Kontrastfugen (z. B. weiße Fliese, dunkle Fuge) verkleinern optisch.
Farben:
- Helle, warme Töne (gebrochenes Weiß, Greige, helles Sand, hellgrau) lassen den Raum größer und freundlicher wirken.
- Dunkle Akzente sparsam einsetzen, z. B. Armaturen in Schwarz oder ein schmales dunkles Regal.
Wandhöhe und Teilverfliesung
Du musst nicht das gesamte Bad vom Boden bis zur Decke fliesen. Gerade in kleinen Bädern wirkt es oft luftiger, wenn nur die Spritzwasserbereiche gefliest werden:
- In der Dusche: bis zur Decke oder mindestens 2,10 m Höhe.
- Hinter dem Waschtisch: 1,20 bis 1,30 m Höhe fliesen reicht meist.
- Restliche Wände: glatter, feuchtraumgeeigneter Putz oder Farbe.
Praxis-Tipp: Eine horizontale Unterteilung (unten Fliese, oben Farbe) streckt den Raum. Achte auf saubere Übergänge mit Abschlussprofilen.
Lichtplanung im kleinen Bad
Gerade innenliegende Bäder ohne Fenster profitieren enorm von gut gesetztem Licht:
- Grundbeleuchtung an der Decke, diffus und gleichmäßig, z. B. ein flacher LED-Panel oder 2-3 Einbauspots.
- Spiegelleuchte mit guter Farbwiedergabe (CRI > 90), seitlich oder oben, blendfrei.
- Optional indirekte Beleuchtung unter dem Waschtisch oder hinter dem Spiegel für mehr Tiefe.
Praxis-Tipp: Plane einen Nachtmodus ein: z. B. ein LED-Band mit Bewegungssensor unter dem Waschbecken oder hinter dem WC, gedimmt. Ideal für nächtliche Toilettengänge, ohne voll aufzuwachen.
Typische Fehler bei kleinen Bädern mit Dusche und wie du sie vermeidest
In der Praxis sehe ich immer wieder dieselben Probleme. Wenn du sie kennst, kannst du sie direkt vermeiden.
- Zu viele verschiedene Materialien: Drei Fliesen, bunte Mosaikstreifen, mehrere Wandfarben - das macht klein und unruhig. Besser: max. zwei Fliesen plus eine Wandfarbe.
- Zu tiefes Waschbecken: Standardtiefe 48-50 cm kollidiert oft mit Tür oder Bewegungsfläche. In kleinen Bädern lieber auf 36-40 cm Tiefe gehen.
- Billige Duschabtrennungen mit viel Plastik: Vergilben und wackeln schnell. Lieber in eine solide Glaslösung investieren, die Jahrzehnte hält.
- Kein Platz für Handtücher: Plane mindestens 1-2 Handtuchhalter in Griffweite der Dusche ein - sonst liegen sie ständig irgendwo auf dem Boden oder der Heizung.
- Schlechte Lüftung: Gerade innenliegende Bäder brauchen einen guten, leisen Lüfter mit Timer oder Feuchtesteuerung, sonst drohen Schimmel und Geruch.
Podsumowanie
Kurze Checkliste für dein kleines Bad mit Dusche:
- Dusche mindestens 80 x 80 cm, besser 90 x 80/90 x 90 cm einplanen.
- Bewegungsflächen vor WC und Waschbecken mit 60 cm Tiefe einhalten.
- Grundriss klar strukturieren: Linie im Schlauchbad, klare Zonen im Quadratbad.
- Duschlösung wählen: ultraflache Wanne plus Schiebe- oder Falttür ist meist sanierungsfreundlich.
- Stauraum konzentriert planen: Spiegelschrank, Unterschrank, 1 Hochschrank statt vieler Kleinteile.
- Materialien ruhig halten: wenige Fliesenarten, helle Töne, schmale Fugen.
- Gutes Licht und Lüftung vorsehen, gerade im innenliegenden Bad.
FAQ
Welche Duschgröße ist im kleinen Bad wirklich alltagstauglich?
Unter 80 x 80 cm würde ich nur im absoluten Notfall gehen. Alltagstauglich ist ab 90 x 80 cm, komfortabel ab 90 x 90 cm. Wenn der Grundriss es zulässt, sind rechteckige Duschen (100 x 80 cm) sehr angenehm, weil der Einstieg breiter ist.
Ist eine bodengleiche Dusche im Altbau sinnvoll?
Ja, aber nur, wenn Aufbauhöhe und Statik es hergeben. Oft ist eine ultraflache Duschwanne die praktischere Lösung: Sie wirkt fast bodengleich, ist leichter einzubauen und oft günstiger. Lass unbedingt prüfen, ob Gefälle und Abdichtung fachgerecht umsetzbar sind.
Wie bekomme ich genug Stauraum, ohne dass das Bad vollgestellt wirkt?
Konzentriere Stauraum auf wenige, gut geplante Möbel: Spiegelschrank, Waschbeckenunterschrank und ein schmaler Hochschrank reichen in vielen Fällen. Selten benötigte Vorräte lagerst du besser außerhalb des Bads, z. B. im Flur oder Schlafzimmer.
Welche Fliesengröße eignet sich am besten für ein kleines Bad?
Mittelgroße Fliesen wie 30 x 60 cm oder 60 x 60 cm sind meist ideal. Sie sorgen für ein ruhiges Fugenbild und lassen den Raum größer wirken. Sehr kleine Mosaike nur als Akzent nutzen, sonst wirkt es schnell unruhig und ist aufwendiger zu reinigen.
