Barrierearmes Badezimmer im Bestand nachrüsten: Planung, Produkte und Kosten

2 lutego, 2026 Rabbit Comments Off

Warum ein barrierearmes Bad schon heute Sinn macht

Ein barrierearmes Badezimmer ist kein Luxusprojekt für das hohe Alter, sondern eine Investition in Sicherheit, Komfort und Wiederverkaufswert. In vielen deutschen Wohnungen sind die Bäder klein, verwinkelt und mit hohen Duschtassen oder Badewannen ausgestattet. Genau hier setzt eine sinnvolle Nachrüstung an.

Besonders in Bestandswohnungen ist wichtig: Du musst nicht immer alles kernsanieren. Oft reichen gezielte Eingriffe, um Stolperfallen zu reduzieren und Bewegungsflächen zu verbessern.

Typische Ausgangslage in deutschen Bädern:

  • 3-6 m², oft Schlauchbad
  • Badewanne statt Dusche
  • Hohe Duschtasse (15-25 cm)
  • Rutschige Fliesen, wenig Haltemöglichkeiten
  • Schmale Tür (60-70 cm), hoher Türschwellenübergang

Bevor du loslegst, brauchst du einen klaren Plan.

Checkliste: Ist ein barrierearmer Umbau bei dir sinnvoll?

  • Gibt es bereits jetzt Mobilitätseinschränkungen im Haushalt? (ja/nein)
  • Planst du, in der Wohnung mindestens 5-10 Jahre zu bleiben? (ja/nein)
  • Ist das aktuelle Bad ohne Hilfe für ältere Personen schwer nutzbar? (ja/nein)
  • Gibt es Stolperfallen wie hohe Duschtassen oder Schwellen? (ja/nein)
  • Ist im Bad mind. 1,10 m Bewegungsfläche vor WC oder Dusche möglich oder herstellbar? (ja/nein)
  • Bist du bereit, mindestens 3.000-8.000 Euro in einen Umbau zu investieren? (ja/nein)
  • Gibt es Fördermöglichkeiten über Pflegekasse oder KfW, die du nutzen kannst? (ja/nein)
Modernes barrierearmes Badezimmer mit bodennaher Dusche, Haltegriffen und rutschhemmendem Boden
Bodennaher Duschbereich mit rutschhemmendem Boden und unauffälligen Haltegriffen.

Bestandsaufnahme: Platz, Leitungen und Bausubstanz prüfen

Bevor du Produkte aussuchst, musst du genau wissen, womit du arbeitest. Das spart Kosten und vermeidet Überraschungen während der Bauphase.

Schritt 1: Grundriss und Maße aufnehmen

Nimm dir Maßband, Zettel und ggf. ein Laser-Entfernungsmessgerät.

  • Raumbreite und -länge messen
  • Höhe der Sanitärobjekte (WC, Waschtisch, Wanne/Dusche)
  • Türbreite und Höhe der Schwelle
  • Abstand zwischen den Sanitärobjekten (z. B. WC - Waschtisch)
  • Fensterposition und Heizkörperlage notieren

Erstelle eine einfache Draufsicht mit Maßen. Diese Zeichnung ist Grundlage für Handwerker, Förderanträge und deine Produktplanung.

Schritt 2: Leitungen und Anschlüsse klären

Bei Bestandsbädern in Mietwohnungen laufen Leitungen oft in Schächten oder in der Wand hinter Dusche/Wanne.

  • Wo verlaufen Wasser- und Abwasserleitungen?
  • Gibt es Zugang zu Steigleitungen (z. B. Installationsschacht)?
  • Ist genug Gefälle für eine bodengleiche Dusche möglich (wichtig im Altbau)?

Hier lohnt ein kurzer Ortstermin mit einem Installateur. 30 Minuten Beratung vor Ort verhindern teure Fehlplanungen.

Schritt 3: Statik und Bodenaufbau prüfen

Für eine bodengleiche Dusche oder eine schwere Walk-in-Glastrennwand musst du den Bodenaufbau kennen:

  • Höhe des Estrichs und Aufbau
  • Holzbalkendecke oder Betondecke?
  • Abflusslage und -höhe

Im Altbau mit Holzbalkendecke ist Bodengleichheit oft nur mit Duschwannen mit sehr niedriger Einstiegshöhe (2-3 cm) realistisch. Voll eingelassene Duschrinnen sind hier häufig deutlich aufwendiger.

Dusche barrierearm nachrüsten: Vom Wannenausstieg zur sicheren Lösung

Die größte Gefahrenquelle im Bad ist der Einstieg in die Wanne oder die hohe Duschtasse. Hier erzielst du mit einem Umbau den größten Sicherheitsgewinn.

Variante 1: Wanne zur Dusche umbauen

Typisch in 4-6 m² Bädern: eine 170 x 75 cm Badewanne an der Wand. Diese Fläche kann fast 1:1 zur großzügigen Dusche werden.

Praxisbewährte Lösung:

  • Badewanne entfernen
  • Dusche mit sehr flacher Duschwanne (2-3 cm) oder bodenebener Duschfläche einbauen
  • Rutschhemmende Oberfläche (mind. Rutschklasse B, besser C)
  • Glasabtrennung als Schiebetür oder fester Flügel mit breitem Einstieg

Vorteile:

  • Deutlich sicherer Einstieg
  • Bessere Bewegungsfläche, auch für Duschhocker
  • Wertsteigerung der Wohnung, da bodennahe Duschen gefragt sind

Grober Kostenrahmen (als Orientierung, Region und Qualität variieren):

  • Einfacher Umbau Wanne zu Dusche: ca. 4.000-7.000 Euro
  • Höherwertige Materialien / Design: 6.000-10.000 Euro

Variante 2: Teilumbau mit niedriger Duschwanne

Wenn der Bodenaufbau keine echte bodengleiche Dusche zulässt, ist eine superflache Duschwanne ein guter Kompromiss.

Achte auf:

  • Einbauhöhe max. 3-4 cm über fertigem Boden
  • Oberfläche mit rutschhemmender Beschichtung
  • Klare Kante, die mit einem Haltegriff kombiniert wird

Vorteil: Du reduzierst die Stolperkante massiv, ohne den kompletten Bodenaufbau zu ändern.

Übergang Dusche - Boden sinnvoll lösen

Wichtige Details aus der Praxis:

  • Fuge am Übergang zur Duschfläche sorgfältig abdichten (Schimmelgefahr)
  • Bodenfliesen außerhalb der Dusche mit rutschhemmender Oberfläche wählen (mind. R9, besser R10)
  • Duschmatten nur verwenden, wenn sie fest verklebt oder rutschfest sind

WC und Waschtisch: Höhen, Abstände und sinnvolle Anpassungen

Ein barrierearmes Bad bedeutet nicht automatisch ein komplett normgerechtes Pflegebad. Aber mit ein paar gezielten Anpassungen wird der Alltag deutlich leichter.

WC: Sitzhöhe und Platzbedarf

Standard-WCs in Bestandswohnungen haben oft eine Sitzhöhe von 40-42 cm. Komfortabler und für viele ältere Menschen geeignet sind 46-48 cm.

Möglichkeiten im Bestand:

  • Kompletttausch auf höheres WC - sinnvoll bei ohnehin altem WC
  • Erhöhungssitz - günstige Lösung, aber optisch oft wenig ansprechend
  • Vorwandinstallation neu aufbauen - mehr Aufwand, aber optimale Höhe einstellbar

Achte auf seitliche Bewegungsfläche. Ideal wären 90 cm, realistisch im Bestand sind oft 70-80 cm. Plane, dass zumindest auf einer Seite ein Haltegriff montiert werden kann.

Waschtisch: Unterfahrbar oder nur höher anbringen?

Ein komplett unterfahrbarer Waschtisch ist im kleinen Bad mit Stauraummangel oft schwierig. Du kannst trotzdem viel verbessern:

  • Waschtischhöhe an Körpergröße anpassen (Standard ca. 85 cm, bei großen Personen eher 90 cm)
  • Keine scharfen Unterkanten, abgerundete Formen bevorzugen
  • Einhebelmischer statt Drehknöpfe
  • Genügend Ablagefläche in Griffhöhe planen

Wenn Rollstuhlnutzung relevant ist oder werden könnte, ist ein unterfahrbarer Waschtisch mit seitlichem Stauraumregal eine gute Lösung: Unter dem Becken frei, daneben ein schmales Unterschränkchen oder ein Hochschrank.

Haltegriffe, Sitze und kleine Helfer mit großer Wirkung

Haltegriffe werden oft mit „Pflegeheim-Optik“ verbunden. Inzwischen gibt es viele dezente, designorientierte Lösungen, die du optisch gut in ein modernes Bad integrieren kannst.

Wo Haltegriffe wirklich sinnvoll sind

  • Dusche: Ein Griff in Einstiegsnähe, eventuell ein zweiter in Greifhöhe im Duschbereich
  • WC: Seitlich als Stütze beim Aufstehen und Hinsetzen
  • Bei Badewanne (wenn sie bleibt): mindestens ein stabiler Griff am Einstieg

Praktische Tipps aus der Montagepraxis:

  • Immer in tragfähigem Untergrund verdübeln, ggf. Vorwand mit Verstärkung planen
  • Vor dem Fliesen Verstärkungsplatten (z. B. Holz) unterlegen, wenn du später Griffe nachrüsten willst
  • Länge des Griffs ca. 30-60 cm je nach Position

Duschsitz und flexible Lösungen

Ein fester klappbarer Duschsitz ist nicht immer nötig, ein stabiler Duschhocker reicht oft aus.

Wann fester Sitz sinnvoll ist:

  • Regelmäßiger Bedarf beim Duschen (Kreislauf, Gleichgewicht)
  • Genug Duschfläche (mind. ca. 90 x 90 cm)
  • Tragfähige Wandkonstruktion vorhanden

Alternative: hochwertiger Duschhocker mit rutschhemmenden Füßen und ausreichender Sitzfläche. Achte auf ein Modell, das sich gut reinigen lässt und nicht zur Stolperfalle wird.

Rutschhemmende Böden, Beleuchtung und Türlösung

Viele Stürze passieren auf nassen Fliesen oder in schlecht ausgeleuchteten Bereichen. Hier kannst du selbst mit vergleichsweise kleinem Budget nachbessern.

Rutschhemmende Bodenbeläge nachrüsten

Idealfall bei kompletter Renovierung:

  • Bodenfliesen mit Rutschhemmung (z. B. R10/B im Duschbereich)
  • Großformatige Fliesen mit schmalen Fugen, leicht zu reinigen

Wenn keine komplette Sanierung möglich ist:

  • Rutschhemmende Beschichtungen auf vorhandenen Fliesen (Fachfirma empfehlenswert)
  • Rutschfeste Badematten nur punktuell und gut fixiert einsetzen

Beleuchtung: Blendfrei und ausreichend hell

Für gute Orientierung brauchst du ein klares Lichtkonzept:

  • Deckenbeleuchtung mit gleichmäßiger Ausleuchtung
  • Spiegelleuchte seitlich oder oben mit neutralweißem Licht (ca. 3.000-4.000 K)
  • Optional Nachtlicht (z. B. indirektes Licht unter dem Waschtisch oder Bewegungsmelder-Steckdosenlicht im Flur)

Wichtig: Keine starken Schattenwürfe im Dusch- und WC-Bereich. Ältere Augen reagieren empfindlich auf Kontraste und Blendung.

Tür und Schwellen entschärfen

In vielen Altbauten ist der Übergang von Flur zum Bad eine Stolperstelle.

  • Hohe Schwellen abflachen oder durch flache Übergangsprofile ersetzen
  • Wenn eine neue Tür geplant ist: mindestens 80 cm lichte Breite anstreben
  • Schiebetür draußen vor der Wand kann bei engen Fluren eine gute Lösung sein
Installateur erneuert Dusche und Fliesen in einem kleinen Badezimmer
Fachgerechter Umbau der Dusche ist der größte Hebel für mehr Sicherheit im Bad.

Förderung, Budget und sinnvolle Reihenfolge der Arbeiten

Barrierearme Bäder kosten Geld, können sich aber mit Förderungen und durch clevere Planung deutlich besser darstellen.

Fördermöglichkeiten prüfen

Typische Optionen in Deutschland (Stand: regelmäßig ändern, deshalb immer aktuell prüfen):

  • Pflegekasse (bei Pflegegrad): Zuschuss für wohnumfeldverbessernde Maßnahmen, z. B. Badumbau
  • KfW-Programme (z. B. „Altersgerechter Umbau“): je nach Fördertopf und Programm
  • Regionale Förderprogramme von Bundesländern oder Kommunen

Wichtig: Förderanträge in der Regel vor Beginn der Maßnahmen stellen. Handwerkerangebote und einfache Planungsskizze bereithalten.

Typische Budgetrahmen aus der Praxis

  • Kleiner Eingriff (Haltegriffe, Duschsitz, Beleuchtung verbessern, WC-Sitz höher): 800-2.000 Euro
  • Teilumbau (Wanne raus, Dusche rein, begrenzte Fliesenarbeiten): 4.000-7.000 Euro
  • Komplettumbau kleines Bad (3-5 m²) barrierearm: 10.000-18.000 Euro, je nach Ausstattung

Sinnvolle Reihenfolge der Arbeiten

  1. Bestandsaufnahme und Grobkonzept
  2. Einholen von Kostenvoranschlägen (Installateur, Fliesenleger, ggf. Elektriker)
  3. Förderanträge stellen
  4. Terminplanung und Schutzmaßnahmen im Bestand (Staubschutz, Nachbarn informieren)
  5. Roharbeiten (Demontage Wanne, Leitungen, Bodenaufbau)
  6. Abdichtung, Fliesen, Montage Sanitär
  7. Montage Haltegriffe, Leuchten, Zubehör
  8. Feinreinigung und Funktionsprüfung

Podsumowanie

Kurze Checkliste für dein barrierearmes Bad:

  • Stolperfallen identifiziert (Wanne, hohe Duschtasse, Schwellen)?
  • Lösungsvariante gewählt: bodennahe Dusche, höhere WC-Sitzhöhe, angepasster Waschtisch?
  • Haltegriffe und Sitzmöglichkeiten dort geplant, wo sie wirklich gebraucht werden?
  • Boden rutschhemmend und Beleuchtung gleichmäßig, blendfrei geplant?
  • Bestandsaufnahme, Angebote und Fördermöglichkeiten geprüft, Budget festgelegt?
  • Reihenfolge der Arbeiten und Handwerkerkoordination organisiert?

FAQ

Wie groß muss ein barrierearmes Bad mindestens sein?

Ein komplett barrierefreies Bad nach Norm braucht deutlich mehr Platz. Für ein barrierearmes Bad im Bestand reichen oft 3-4 m², wenn du Kompromisse akzeptierst und die wichtigsten Punkte wie bodennahe Dusche, höheres WC und Haltegriffe sauber planst.

Muss ich unbedingt eine bodengleiche Dusche einbauen?

Nein. In vielen Bestandsbauten ist das technisch schwierig oder sehr teuer. Eine superflache Duschwanne mit 2-3 cm Einstieg, rutschhemmender Oberfläche und Haltegriff bringt bereits viel Sicherheit und ist oft realistischer umzusetzen.

Kann ich Haltegriffe selbst montieren?

Technisch ja, aber nur, wenn du den Wandaufbau genau kennst und geeignete Dübel und Schrauben verwendest. In Trockenbauwänden ohne Verstärkung können Griffe ausreißen. Im Zweifel lieber einen Fachbetrieb beauftragen und vor dem Fliesen Verstärkungen einplanen.

Was ist, wenn ich zur Miete wohne?

Größere Umbauten wie Wanne-zu-Dusche erfordern in der Regel die Zustimmung des Vermieters. Kleinere Maßnahmen wie Haltegriffe, Duschsitze oder Beleuchtungsverbesserungen sind meist unkritisch, müssen aber beim Auszug ggf. zurückgebaut werden. Schriftliche Vereinbarungen sind sinnvoll.