Begehbarer Kleiderschrank ohne Extrazimmer: Planung in Nische, Flur oder Schlafzimmer
Begehbarer Kleiderschrank ohne eigenes Zimmer - geht das?
Ein begehbarer Kleiderschrank muss kein eigenes Zimmer haben. In vielen deutschen Wohnungen mit 55 bis 90 m² fehlt dafür schlicht der Raum. Trotzdem kannst du durch clevere Planung in Nischen, im Schlafzimmer oder im Flur eine begehbare Lösung schaffen, die alltagstauglich ist.
Wichtig ist, dass du realistisch planst: Was brauchst du wirklich, wie viel Platz hast du und wie gut lässt sich der Bereich vom Rest des Raums abtrennen, optisch und akustisch?
In diesem Artikel gehen wir Schritt für Schritt durch typische Grundrisse, praktische Maße, sinnvolle Stauraumlösungen und Materialien, die du im Baumarkt oder Möbelhaus problemlos bekommst.
- Hast du mindestens 120 cm Tiefe ab Wand für Schrank + Bewegungsfläche? (Ja/Nein)
- Gibt es eine Nische, Dachschräge oder ungenutzte Ecke von mind. 1,5 m Breite? (Ja/Nein)
- Kannst du dort eine separate Beleuchtung installieren oder eine Steckdose nutzen? (Ja/Nein)
- Stört es dich, wenn Kleidung teilweise offen sichtbar ist? (Ja/Nein)
- Bist du bereit, einen Teil bisheriger Stellfläche für Bett/Kommode neu zu organisieren? (Ja/Nein)
- Ist der Bereich gut zu lüften bzw. nicht direkt an einer kalten Außenwand ohne Dämmung? (Ja/Nein)

Grundprinzipien: Wie viel Platz brauchst du wirklich?
Damit ein Kleiderschrank als „begehbar“ durchgeht, brauchst du nicht viel Fläche, aber richtige Proportionen. Entscheidend sind Schranktiefe, Bewegungsfläche und Durchgänge.
Minimale Maße für begehbare Bereiche
Als Richtwerte, mit denen du gut planen kannst:
- Schranktiefe: 55-60 cm für hängende Kleidung
- Bewegungsfläche vor dem Schrank: mind. 80 cm, komfortabel sind 90-100 cm
- Gesamttiefe: 140-160 cm (Schrank + Bewegungsfläche)
- Durchgangsbreite: mind. 70 cm, besser 80 cm
Ein begehbarer Kleiderschrank kann also schon ab etwa 1,4 x 1,5 m funktionieren, wenn du auf eine Seite Schränke oder Regale stellst und die andere Seite zum Laufen frei lässt.
Typische Fehler bei der Planung
- Zu wenig Bewegungsfläche - dann bekommst du die Türen nicht richtig auf oder kannst dich kaum drehen.
- Zu hohe Schränke ohne Trittleiter - der obere Stauraum wird nie genutzt.
- Keine gute Lüftung - muffige Kleidung und Kondenswasser an Außenwänden.
- Zu wenig Licht - man greift immer wieder zu denselben Teilen, der Rest „verschwindet“ im Dunkeln.
Variante 1: Begehbarer Kleiderschrank im Schlafzimmer
Das Schlafzimmer ist der naheliegendste Ort für einen begehbaren Kleiderschrank, weil Kleidung und Bett schon zusammengehören. Es geht darum, den Raum sinnvoll zu zonieren: Schlafzone und Ankleidezone.
Layout-Ideen für typische Schlafzimmergrößen
Schlafzimmer ca. 12 m² (z. B. 3 x 4 m)
- Bett (140-160 cm) an die längere Wand stellen.
- Gegenüber oder seitlich eine 1,5-2 m breite Zone für den begehbaren Schrank abtrennen.
- Mit einem offenen Regalsystem oder Schiebetüren die Ankleidezone zum Bett hin abgrenzen.
Schlafzimmer ca. 15-18 m²
- Hier lohnt sich oft eine „U-Form“: zwei kurze Schenkel und eine lange Seite mit Schränken.
- Bewegungsfläche mittig planen, mit 90-100 cm Breite.
- Bett entgegen der Kleiderschrankzone platzieren, damit der Raum nicht zu voll wirkt.
Abtrennung: offen, halb-offen oder geschlossen?
Je nachdem, wie ordentlich du bist und wie hell das Schlafzimmer ist, kannst du die Ankleide unterschiedlich stark abgrenzen.
- Offen: nur Regale/Schränke, kein Sichtschutz. Vorteil: günstig, luftig. Nachteil: Unordnung sichtbar.
- Halb-offen: Gardinenschiene mit Vorhang oder Raumteiler-Regale. Vorteil: flexibel, leicht umsetzbar. Nachteil: weniger Schallschutz, Vorhang kann Staub fangen.
- Geschlossen: Schiebetüren, Trockenbauwand mit Durchgang. Vorteil: klare Trennung, aufgeräumter Eindruck. Nachteil: teurer, braucht exakte Planung.
Praktische Tipps aus der Praxis
- Nutze die Wand hinter der Schlafzimmertür für schmale Regale (Tiefe 30-35 cm für T-Shirts, Pullis).
- Plane Steckdosen in der Ankleidezone ein (für Bügeleisen, Steamer, Akku-Sauger).
- Helle Fronten (weiß, hellgrau) lassen den Raum größer wirken als dunkle, geschlossene Schränke.
Variante 2: Begehbarer Kleiderschrank im Flur oder in der Diele
Gerade in länglichen Fluren lässt sich auf einer Seite ein begehbarer Kleiderschrank einrichten, der mehr kann als nur Jacken aufnehmen. Hier ist es wichtig, dass Durchgangsbreiten erhalten bleiben und die Diele nicht wie ein Lager aussieht.
Flurbreiten und was möglich ist
Flur ca. 110-120 cm breit
- Einseitige Lösung mit sehr schmalen Schränken oder Regalen (30-40 cm Tiefe).
- Vor allem für Schuhe, Taschen, gefaltete Kleidung, Bettwäsche.
Flur ab ca. 140 cm Breite
- Platz für 55-60 cm tiefe Schränke + 80-90 cm Durchgang.
- Hier kann ein vollwertiger Kleiderschrank mit Kleiderstangen integriert werden.
Abtrennung im Flur: Schiebetüren als Staub- und Sichtschutz
Im Flur ist eine geschlossene Lösung oft sinnvoll, da hier mehr Staub und Schmutz von draußen hineingetragen wird.
- Schiebetüren auf Maß: vom Schreiner oder Systemanbieter, ideal bei Wand-zu-Wand-Lösungen.
- IKEA PAX + Schiebetüren: günstige Standardlösung, gut kombinierbar in Mietwohnungen.
- Trockenbauwand mit Tür: aufwendiger, aber optisch wie „richtige“ Ankleidekammer.
Achte darauf, dass Schiebetüren leise laufen (Dämpfer) und sich nicht verhaken. Besonders wichtig, wenn der Flur an Schlafzimmer oder Kinderzimmer grenzt.
Mix aus Garderobe und Kleiderschrank
Im Flur lohnt sich eine Mischlösung:
- Offene Garderobe mit Haken und Bank direkt an der Tür.
- Dahinter, tiefer im Flur, geschlossene Schrankzone als „begehbarer Kleiderschrank“ für Saisonkleidung, Bettwäsche, Sportklamotten.
- Oben (ab 200 cm) große Boxen für selten genutzte Dinge: Koffer, Weihnachtsdeko.
So bleibt der Eingangsbereich ruhig, und du holst maximalen Stauraum aus einem oft unterschätzten Raum.

Variante 3: Nischen, Dachschrägen und Ecken nutzen
Viele Wohnungen haben verwinkelte Ecken, Nischen oder Flächen unter Dachschrägen, die sich schlecht für Standardmöbel eignen. Genau dort lässt sich ein kleiner begehbarer Kleiderschrank oft am besten unterbringen.
Dachschrägen clever ausbauen
Unter einer Schräge ab etwa 1,20 m Höhe kannst du sehr effektiven Stauraum schaffen.
- Rückwand mit niedrigen Kommoden (40-60 cm hoch) für T-Shirts, Unterwäsche, Pullover.
- Darüber Kleiderstangen, die schräg mit der Decke verlaufen oder quer montiert sind.
- Ganz oben Regalbretter für Kisten und Koffer.
Eine niedrige Schiebetür oder maßgefertigte Vorhanglösung kann den Bereich optisch beruhigen, ohne die Schräge zu „erschlagen“.
Nischen im Wohnzimmer oder Home Office
Wenn das Schlafzimmer sehr klein ist, kann eine Nische im Wohnzimmer oder Home Office zur Ankleide werden, vorausgesetzt, du kannst sie gut schließen.
- Baue ein Regalsystem in die Nische ein (60 cm tief, wenn möglich).
- Schließe alles mit schlichten Schiebetüren in Wandfarbe ab.
- Innen mit Beleuchtung und Spiegel ausstatten, sodass du dich dort anziehen kannst, ohne andere zu stören.
Wichtig: In Wohnräumen ist ein wirklich geschlossener Stauraum sinnvoll, damit der Raum nicht nach „Kleiderkammer“ aussieht.
Innenorganisation: Was wohin, damit der Alltag funktioniert
Ein begehbarer Kleiderschrank ist nur dann komfortabel, wenn die Innenaufteilung gut zu deinen Gewohnheiten passt. Plane von innen nach außen, nicht umgekehrt.
Hängende Kleidung: Stangenhöhen und Aufteilung
- Hemden/Blusen/Jackets: Stangenhöhe ca. 100-110 cm.
- Kleider/Mäntel: Stangenhöhe 150-170 cm.
- Doppelte Stange: Oben Hemden/Blusen, unten Hosen auf Bügeln - ideal ab 220 cm Raumhöhe.
Wenn du wenig Platz hast, lohnt sich eine Kombination aus kürzeren Hängezonen und vielen Regalfächern. Lange Hängeware braucht tatsächlich weniger Leute, als man denkt.
Regalböden, Schubladen, Boxen
- Regaltiefe 35-40 cm reicht für T-Shirts, Pullis, Jeans völlig aus.
- Schubladen sind ideal für Unterwäsche, Socken, Accessoires.
- Offene Boxen (Stoff oder Kunststoff) für Sportkleidung, Schlafsachen, Hausschuhe.
Plane die häufig genutzten Teile zwischen Hüft- und Augenhöhe ein. Ganz unten und ganz oben sind perfekte Zonen für selten Benutztes.
Spezielle Lösungen für kleine Flächen
- Ausziehbare Kleiderstangen für enge Nischen oder Ecken.
- Hosenbügel-Systeme, die herausgezogen werden können.
- Türen mit zusätzlichem Stauraum (Hintertürregale für Schuhe, Gürtel, Tücher).
Licht, Farben und Materialien: Kleine Flächen großzügig wirken lassen
Gerade bei begehbaren Kleiderschränken ohne eigenes Zimmer ist die Wirkung nach außen wichtig. Du willst Stauraum maximieren, ohne den Raum optisch zu erschlagen.
Beleuchtung: was in der Praxis gut funktioniert
- LED-Leisten unter Regalböden oder entlang der Seiten - gleichmäßiges Licht direkt an der Kleidung.
- Sensorleuchten in Schränken, die beim Öffnen angehen.
- Deckenpanel oder Spots in kleinen begehbaren Bereichen (4000 K für neutrale Farbwiedergabe).
Plane Lichtschalter so, dass du die Ankleidezone separat schalten kannst, ohne das ganze Schlafzimmer zu beleuchten.
Farben und Materialien
- Helle Korpusse (weiß, hellgrau) reflektieren mehr Licht.
- Matte Oberflächen wirken ruhiger und zeigen weniger Fingerabdrücke als Hochglanz.
- Vorhänge als Abtrennung: dicht gewebte Stoffe in gedeckten Farben wirken hochwertiger als dünne, bunte Stoffe.
- Boden: pflegeleichter Vinyl, Laminat oder Teppichboden mit kurzer Schlinge für warme Füße.
Budgetplanung: Was kostet ein kleiner begehbarer Kleiderschrank?
Die Kosten hängen stark davon ab, ob du mit fertigen Systemen arbeitest oder eine Maßanfertigung wählst.
Günstige Lösungen mit Systemmöbeln
- Einfache Regalsysteme (z. B. Metall-Schienen + Holzböden): schon ab 200-400 Euro für eine kleine Nische.
- IKEA PAX oder ähnliche Systeme: ab ca. 600-1000 Euro für einen 2-3 m breiten begehbaren Bereich.
- Vorhänge als Abtrennung statt Schiebetüren: 100-300 Euro inkl. Schiene.
Mittleres bis höheres Budget
- Maßgefertigte Schiebetüren vom Schreiner oder Anbieter: ca. 800-2000 Euro, je nach Breite und Material.
- Innenausbau mit individuellen Regalen, Schubladen, Auszügen: 1500-4000 Euro.
- Trockenbau zur Abtrennung plus Malerarbeiten und Licht: 1000-2500 Euro.
Für viele Mietwohnungen ist eine Kombination aus Systemmöbeln und anpassbaren Regalen die sinnvollste Lösung, da du sie beim Umzug mitnehmen kannst.
Planungsschritte: So gehst du konkret vor
Damit dein Projekt nicht im Chaos endet, geh strukturiert vor. Ein realistischer Zeitrahmen für Planung und Umsetzung sind 2-4 Wochen, je nach Aufwand.
1. Bestand aufnehmen
- Alle Kleidung, Schuhe, Taschen grob zählen oder in Kategorien aufteilen.
- Entscheiden, was im begehbaren Schrank landen soll und was z. B. in den Flur darf.
- Konsequent aussortieren, bevor du planst.
2. Raum vermessen
- Raummaße exakt nehmen (Länge, Breite, Höhe).
- Heizkörper, Fenster, Türen, Steckdosen einzeichnen.
- Schrägen und Nischen sauber vermessen, vor allem Höhen.
3. Zonen planen
- Auf Papier oder mit Online-Planer Schrankzonen eintragen.
- Bewegungsflächen und Durchgänge mit mindestens 80 cm Breite markieren.
- Entscheiden, wo Hängezonen und wo Regale/Schubladen hinkommen.
4. Produkte auswählen
- Zwischen Systemmöbeln, Baumarkt-Regalsystemen und Maßanfertigung entscheiden.
- Farben und Materialien an vorhandene Möbel anpassen (z. B. Bett, Boden).
- Beleuchtung separat mitplanen.
5. Aufbau und Feinschliff
- Mit Grundmodulen starten (Regale, Stangen), danach Innenaufteilung optimieren.
- Alles einräumen, testen, was du am meisten brauchst.
- Erst am Ende Haken, zusätzliche Körbe, Boxen ergänzen.
Podsumowanie
- Begehbarer Kleiderschrank geht auch ohne Extrazimmer - ab ca. 1,4 x 1,5 m Fläche.
- Schlafzimmer, Flur und Nischen sind ideale Orte, wenn Bewegungsflächen beachtet werden.
- Innenaufteilung immer von deinen tatsächlichen Kleidungsstücken aus planen.
- Gute Beleuchtung und helle Materialien machen kleine Ankleiden nutzerfreundlich.
- Mit Systemmöbeln kannst du schon mit kleinem Budget viel Stauraum schaffen.
- Strukturierte Planung (Messen, Zonen, Produkte) verhindert Fehlkäufe und Frust.
FAQ
Wie klein darf ein begehbarer Kleiderschrank sein?
Ab etwa 1,4 x 1,5 m lässt sich eine kleine, aber funktionale Lösung umsetzen, wenn du auf einer Seite Schränke/Regale stellst und auf der anderen Seite mindestens 80 cm Bewegungsfläche einplanst. Komfortabler wird es ab ca. 1,5 x 2 m.
Brauche ich unbedingt Schiebetüren für einen begehbaren Kleiderschrank?
Nein. In vielen Schlafzimmern reicht eine halb-offene Lösung mit Vorhang oder einem offenen Regalsystem, besonders wenn du ordentlich bist. Schiebetüren lohnen sich, wenn der Bereich in Flur oder Wohnzimmer liegt oder du Staub und Blickkontakt vermeiden willst.
Was ist besser: offenes Regalsystem oder geschlossene Schränke?
Offene Systeme sind günstiger und flexibel, zeigen aber jede Unordnung. Geschlossene Schränke wirken ruhiger und sind im Flur oder Wohnzimmer oft die bessere Wahl. Eine Mischlösung funktioniert in der Praxis am besten: häufig genutztes offen, selten genutztes hinter Türen.
Kann ich einen begehbaren Kleiderschrank in einer Mietwohnung umsetzen?
Ja. Nutze lieber freistehende Systemmöbel und Schienensysteme, die sich rückstandslos entfernen lassen. Vorhänge statt Trockenbauwände und Standard-Schiebetüren vor bestehenden Nischen sind besonders mietfreundlich und beim Auszug meist problemlos.
